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News: The bilingual Gehirn

Herauszufinden wie das Gehirn Sprache speichert, benutzt und verarbeitet ist kompliziert und strittig genug. Zu erklären, wie es dies mit zwei oder mehr Sprachen bewerkstelligt, scheint da erst recht ein fast hoffnungsloses Unterfangen. Verarbeiten bilinguale Sprecher Wörter und Sätze ihrer beiden Sprachen auf dieselbe Art und Weise? Und wenn ja, unterscheidet sich dieser Vorgang von den Prozessen bei einsprachigen Personen? Wissenschaftler aus Singapur haben nun herausgefunden, daß bei Menschen, die flüssig Englisch und Mandarin sprechen, beide Sprachen anscheinend in denselben Teilen des Gehirns verarbeitet werden.
Michael Chee vom Singapore General Hospital versuchte die Frage zu beantworten, ob das menschliche Gehirn mehrere mentale Wörterbücher anlegt oder ob es eher ein hocheffizientes System entwickelt, verschiedene "Wort-Schubladen" zu durchforsten. Wie die Forscher in der Mai-Ausgabe von Neuron berichten, werfen ihre Untersuchungen ein neues Licht auf diese schwer faßbare Angelegenheit, indem sie die Frage stellten, ob das Gehirn zwei Sprachen in einem oder zwei Teilen des Gehirns speichert.

Chee und seine Mitarbeiter forderten deshalb Personen, die sowohl flüssig Englisch als auch Mandarin sprachen, dazu auf, eine gewisse Anzahl von Sätzen in beiden Sprachen zu lesen. Anschließend stellten die Forscher den Versuchspersonen Verständnisfragen, die diese mit "Ja" oder "Nein" beantworten sollten. Während all dieser Phasen wurde die Gehirnaktivität der Probanden mit Magnetresonanztomographie aufgenommen, so daß in Echtzeit festgestellt werden konnte, welche Regionen bei den entsprechenden mentalen Vorgängen beteiligt waren.

Die Ergebnisse aus den Experimenten bestärken die Vermutung, daß das Gehirn dieselben Bereiche des Gehirns benutzt, um geschriebene Sätze zu verstehen, unabhängig davon, in welcher Sprache diese verfaßt sind. Das ist insofern eine Überraschung, da sich die betrachteten Sprachen Englisch und Mandarin völlig in Bezug auf Schrift, Klang und Syntax unterscheiden. Außerdem existieren beträchtliche Hinweise, die ein "Zwei-Speicher"-Modell unterstützen. So gibt es sorgfältig dokumentierte Fälle von hirngeschädigten Personen, die nur eine ihrer Sprachen verloren haben. Stimulationen des Gehirns bei experimentellen Untersuchungen haben oftmals nur die Störung einer der beiden Sprachen zur Folge. Das "Zwei-Speicher"-Modell bietet jedoch keine zufriedenstellende Erklärung für die Tatsache, daß viele Zweisprachler mit Aphasie (Menschen mit Sprachschwächen) anscheinend fähig sind, wechselseitig auf ihre Sprachen zuzugreifen.

Die unterschiedlichen Beobachtungen und Ergebnisse könnten in der stark unterschiedlichen Sprachgewandtheit begründet liegen – von weniger flüssigen Zweisprachlern weiß man, daß sie "interne Übersetzungen" vornehmen, wie es bei Personen, die ihre beiden Sprachen bereits in frühester Kindheit erworben haben, nicht der Fall ist. Sie könnten aber zuch in der Anlage der Studien bestehen – Chees Arbeitsgruppe betrachteten eher das Verständnis von Sätzen als von einzelnen Wörtern.

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