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Chronobiologie: Tide stellt innere Uhr von Mangroven-Insekten

Eine im regelmäßig überfluteten Lebensraum Mangrove heimische Grillenart richtet ihre Aktivitätszyklen streng nach dem Rhythmus von Ebbe und Flut, ermittelten japanische Wissenschaftler. Das Insekt behält seinen inneren, so genannten zirkatidalen Rhythmus auch dann bei, wenn typische Umweltreize über längere Zeit völlig fehlen. Der Wechsel von Licht und Dunkelheit hat demnach keine Bedeutung als Zeitgeber der Grillenkörperuhr.

Aya Satoh und ihre Kollegen von der Universität von Ryukyus hatten Apteronemobius asahinai aus ihrem natürlichen Mangroven-Habitat gesammelt, in dem die Tiere ausschließlich während der Ebbe nach Nahrung suchen. Über drei Wochen ermittelten die Forscher im Labor mit Hilfe von Infrarotlichtschranken und in völliger Dunkelheit, wann die Tiere sich besonders aktiv und inaktiv zeigten. Die Grillen folgten dabei über die gesamte Beobachtungsdauer hinweg unverändert dem typischen Rhythmus von Tieren, die sich an die Tiden anpassen, berichtet Satoh.

Damit bleibt unbekannt, welche Umweltreize dazu dienen, den Rhythmus der Insekten neu zu stellen oder zu eichen. Die zirkadiane innere Uhr von Menschen und vieler anderer Lebewesen wird von Lichtreizen an veränderte Tages- und Nachtzeiten angepasst. Als Zeitgeber für die zirkatidale Rhythmik von Wirbellosen aus ähnlichen Habitaten wurden Wasserturbulenzen, hydrostatischer Druck, Salinität, Temperatur und das Mondlicht diskutiert. Nur wenige küstenlebende Insektenspezialisten wie die zu den Sandlaufkäfern zählenden Tigerkäfer lassen sich zyklisch von der Flut überspülen und regeln darüber ihre Aktivität. (jo)

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