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Wetter

Auf dem Atlantik braut sich eine Zyklonenbombe zusammen

Im Atlantik vor dem amerikanischen Nordosten wird ein Monstersturm erwartet. Er leitet den vorläufigen Höhepunkt der momentanen Kältewelle ein.
Schnee in Manhattan

"Biest", "Monster", "Zyklonenbombe" – US-amerikanische Medien und Meteorologen überschlagen sich mit Begriffen für einen Jahrhundertsturm, der sich gegenwärtig auf dem Atlantik zusammenbraut und am 4. und 5. Januar als so genannter Nor'easter den Nordosten der USA und angrenzende Regionen Kanadas aufmischen wird. Er entwickelt sich wohl nicht nur zu einem der stärksten außertropischen Winterstürme der letzten Jahrzehnte in diesem Teil des Atlantiks, sondern bereitet auch noch wahrhaft eisigen arktischen Luftmassen den Weg direkt ins Herz Nordamerikas: Der seit Weihnachten fröstelnden Region stehen neue Minustemperaturrekorde bevor.

Nun der Reihe nach: Am Mittwoch (3. Januar) bewegt sich das Gebilde noch relativ gemäßigt an der US-Atlantikküste nach Nordosten, doch sorgt das Tief namens "Grayson" selbst hier schon für Eisregen und Schneefälle in Regionen wie Florida und Georgia, wo es normalerweise auch im Januar nicht übermäßig winterlich ist. Explosiv wird die Entwicklung allerdings erst im weiteren Verlauf des Sturmtiefs. Auf Strömungsfilmen ist zu erkennen, dass feuchtwarme Luftmassen aus tropischen Regionen über Zentralamerika und die Karibik hinweg mitten ins Zentrum des sich entwickelnden Sturms fließen. Im Lauf des Donnerstags (4. Januar) stürzt der Druck im Tief dann so rapide ab, dass US-Meteorologen von einem "bomb cyclone" sprechen, weil sich dieser so intensiv formiert und ausbreitet. Innerhalb von 24 Stunden soll der Druck im Zentrum des Sturms um bis zu 50 Millibar sinken – und Werte von vielleicht weniger als 950 Millibar erreichen. Der Druck läge dann tiefer als in den meisten Hurrikanen und Tropenstürmen der Saison 2017; auch Hurrikan "Ophelia" hatte einen höheren Luftdruck in seinem Inneren, während er als Wirbelsturm der Kategorie 3 über den Atlantik zog, bevor er als kräftiger außertropischer Sturm Irland erreichte. Der Nor'easter könnte damit der stärkste außertropischer Zyklon seit Jahrzehnten in dieser Region werden.

In den nordöstlichsten Gebieten der Neuenglandstaaten und auf Neufundland wird der Sturm blizzardartige Schneefälle und Schneeverwehungen verursachen, doch immerhin: Die stärksten Niederschläge sollen weit draußen auf dem Meer stattfinden und damit die großen Metropolen an der Ostküste verschonen. Seeleute müssen auf dem Atlantik zudem mit extremem Wellengang rechnen. An Land hingegen sorgt der gewaltige Sturm, dessen Ausmaße weite Teile des nordwestlichen Atlantiks umfassen, für den nächsten massiven Kaltlufteinbruch in Ostkanada und den USA östlich der Rocky Mountains. Die Dynamik des Nor'easters sorgt dafür, dass der Polarwirbel außer Takt gerät und quasi Wellen schlägt: Das Höhentief umkreist im Winter eigentlich relativ beständig die Arktis und schirmt die extrem kalten Luftmassen der Region nach Süden ab. Am Freitag und Samstag bricht dieser Wirbel aber nach Süden aus und entlässt bitterkalte Luft aus der Arktis, Grönland, dem Norden Kanadas und vielleicht sogar Sibirien in Richtung US-Ostküste und Atlantik. Die Höchsttemperaturen könnten am Samstag in Teilen Maines bei nur noch minus 18 Grad Celsius liegen, die gefühlten Temperaturen liegen angesichts des starken Windes sogar noch deutlich tiefer. Einen Trost gibt es wenigstens: Laut den weiteren Vorhersagen geht es nächste Woche mit den Temperaturen tatsächlich wieder etwas bergauf.

01/2018

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 01/2018

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