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Depression: Tiefgreifender Wandel

Eine Behandlung mit Antidepressiva verändert die Persönlichkeit
Pillen fürs Stimmungshoch
Bestimmte Persönlichkeitseigenschaften erhöhen das Risiko, an einer Depression zu erkranken: Besonders ängstliche und emotional labile Zeitgenossen leiden häufiger an der Schwermut, gesellige und kontaktfreudige Zeitgenossen dagegen seltener. Forscher um den Psychologen Tony Tang von der Northwestern University in Evanston (US-Bundesstaat Illinois) fanden nun heraus, dass die Behandlung mit Antidepressiva womöglich nur deshalb die Stimmung der Betroffenen hebt, weil sie deren Persönlichkeitsprofil verändert.

Die Wissenschaftler verglichen 120 depressive Patienten, die Paroxetin (einen Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) erhielten, mit 60 anderen, die ein Placebo schluckten. Die mit dem Antidepressivum Behandelten fühlten sich nach drei Monaten deutlich besser. Zugleich erzielten sie im einem Persönlichkeitstest nun auch niedrigere Wert für Neurotizismus, waren also weniger ängstlich und reizbar. Dafür war ihr Wert für Extraversion nun erhöht, sie schätzten sich selbst als kontaktfreudiger und gesprächiger ein. Dies war laut den Forschern nicht auf die verbesserte Stimmungslage zurückzuführen: Zwar ist bekannt, dass sich nach überwundener Depression auch die Selbstwahrnehmung von Patienten ändert – doch auch bei Berücksichtigung dieses Faktors blieb der Persönlichkeitswandel statistisch signifikant.

Unter den Teilnehmern in der Vergleichsgruppe, die das Scheinmedikament erhielt, gingen die depressiven Symptome ebenfalls leicht zurück. Doch auf die Ergebnisse Ihres Persönlichkeitstests hatte das keinen Einfluss. Das spricht nach Ansicht der Forscher dafür, dass Antidepressiva vor allem auf die Persönlichkeit einwirken und möglicherweise erst dadurch die Schwermut bessern, anstatt direkt auf die depressiven Symptome zu wirken. (ja)


Tang, T. Z. et al.: Personality Change During Depression Treatment: A Placebo-Controlled Trial. In: Archives of General Psychiatry 66(12), S. 1322-1330, 2009.

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