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Tiefsee: Expedition entdeckt busgroße Qualle

Ein Walfriedhof, riesige Quallen und ein artenreiches Kaltwasserriff: Das ist die Ausbeute einer Tauchfahrt vor der argentinischen Küste.
Eine große, leuchtend orangefarbene Qualle mit langen, fließenden Tentakeln schwimmt in der dunklen Tiefsee. Kleine Fische sind in der Nähe der Qualle zu sehen. Die Szene ist von schwebenden Partikeln umgeben, die im Wasser treiben.
Phantomquallen können sehr lang werden – hier wird sie von einem Jungfisch umkreist.

Ihr Kopf hat einen Durchmesser von bis zu einem Meter, ihre vier Arme können Längen von zehn Metern erreichen: Phantomquallen (Stygiomedusa gigantea) sind riesige Quallen – und gehören zu den faszinierenden Arten, die eine von María Emilia Bravo von der Universität Buenos Aires geleitete Expedition in der Tiefsee vor der argentinischen Küste beobachtet hat. Die Wissenschaftler befuhren mit der »Falkor (too)« des Schmidt Ocean Institutes den Atlantik entlang des kontinentalen Schelfabhangs und setzten dabei Tauchroboter ein, um ein Gebiet vor Buenos Aires bis hinab nach Feuerland stichprobenartig zu erkunden.

Dabei entdeckten Bravo und Co auch das bislang größte, bekannte Tiefseeriff, das von der Kaltwasserkoralle Bathelia candida aufgebaut wird: Die Art gilt als Indikatorart für dieses seltene Ökosystem. Das Riff vor der argentinischen Küste bedeckt eine Fläche von mindestens 400 000 Quadratmetern und ist damit ungefähr so groß wie der Vatikanstaat. Es handelt sich dabei ebenso um das am weitesten südlich dokumentierte Verbreitungsgebiet dieser Korallen, deren verzweigte Strukturen Lebensraum für zahlreiche andere Arten von Fischen, Kopffüßern oder Krustentieren bieten.

Erstmals konnten Wissenschaftler zudem einen Walkadaver in knapp 4000 Metern Tiefe in argentinischen Gewässern dokumentieren: Sinken die Meeressäuger auf Grund, bilden sie für mehrere Hundert bis Tausende Jahre ein Ökosystem für zahlreiche Lebewesen, die auf diese Nahrung aus höheren Wasserschichten angewiesen sind. Neben verschiedenen Besuchern wie aasfressenden Fischen siedeln sich später Osedax-Würmer an, die sich auf die Knochen spezialisiert haben und diese langsam zersetzen. Die Forscher schätzen, dass der Kadaver hier bereits mehrere Jahrzehnte auf dem Boden lag, da nur noch ein Teil der Knochen vorhanden war, den verschiedene Organismen als eine Art Riff nutzen. Im Malvinas-Graben vor Feuerland stieß die Expedition auf ein Ökosystem, das neben riesigen Schwämmen aus sogenannten Kaugummi-Baumkorallen (Paragorgia arborea) bestand.

Kopffüßer zwischen Steinkorallen | Kaltwasserkorallenriffe sind zwar nicht ganz so artenreich wie ihre tropischen Pendants. Aber auch sie bieten vielen Fischen, Kopffüßern und anderen Arten eine Heimat.

Neben zahlreichen chemischen, physikalischen und biologischen Proben brachten die Wissenschaftler mindestens 28 Tierarten mit, die wahrscheinlich noch nicht beschrieben worden und damit neu sind – darunter Würmer, Seeanemonen, Seeigel, Korallen und Schnecken. Und leider fanden sie Überreste der menschlichen »Zivilisation«: Plastikmüll in der Tiefsee wie Fischernetze, Mülltüten und eine VHS-Kassette mit koreanischer Beschriftung.

Anm. d. Red.: Leider sind bei der Fläche des Riffs ein paar Quadratmeter verloren gegangen. Wir haben den Fehler korrigiert.

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