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ICARUS: Tierbeobachtungs-Antenne an der ISS installiert

Von der Internationalen Raumstation aus kann man ab sofort auch Vögel beobachten. Zumindest solche, die einen Sender tragen. Das ICARUS-Projekt soll ihre Zugrouten verfolgen.
Sergei Prokopjew bei seinem AußenbordeinsatzLaden...

Im Rahmen des ICARUS-Projekts wollen Wissenschaftler die Wanderrouten von Tieren, vor allem von Zugvögeln, aus dem All verfolgen. Die dazu nötige Antenne ist nun installiert: Sie wurde von zwei russischen Kosmonauten an der Internationalen Raumstation angebracht. Wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mitteilt, erfolgte der Außenbordeinsatz am Abend des 15. August 2018.

Um die Antenne am Swesda-Modul zu fixieren und zu entfalten, brauchten Sergei Prokopjew und Oleg Artemjew fast fünf Stunden. Unterstützt wurden sie dabei vom deutschen ESA-Astronauten Alexander Gerst, der den Einsatz vom Inneren der Station aus überwachte. Mit der Installation der Antenne ist das ICARUS-System nun komplett.

ICARUS ist ein Projekt des Raumfahrtmanagements im DLR, des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Radolfzell und der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos. In den nächsten Tagen und Wochen wollen die Ingenieure das System in Betrieb nehmen, so das DLR.

Um ein Tier vom Weltraum aus verfolgen zu können, müssen es Wissenschaftler zunächst mit einem speziellen Sender versehen. Die ICARUS-Sender sind daumennagelgroß und weniger als fünf Gramm schwer. Sie sammeln fortwährend Daten über die Position und die Bewegung des Tiers und senden sie erst dann zur ISS, wenn sich diese über ihnen befindet. In ihrer geringen Größe liegt der Vorteil gegenüber älteren vergleichbaren Systemen, wie den sechs Argos-Satelliten, die seit 1978 in Betrieb sind und deren Sender nur von größeren Tieren wie beispielsweise Störchen getragen werden können. Die ICARUS-Sender könnten künftig so weit verkleinert werden, dass sie sogar von Insekten getragen werden können.

Die Migration von Tieren in Echtzeit zu verfolgen, dient der Grundlagenforschung, liefert aber auch Anhaltspunkte für einen verbesserten Umwelt- und Naturschutz. So könnten beispielsweise Stellen auf der Reiseroute identifiziert werden, an denen besonders viele Tiere sterben und wo dementsprechend besonders viel Schutz notwendig ist.

Aber auch Erkenntnisse über das Zusammenspiel mit dem Menschen versprechen sich die ICARUS-Wissenschaftler. Wie das DLR schreibt, erwartet Grigori Tertitski, Projektleiter am Institut für Geografie der Russischen Akademie der Wissenschaften, bereits mit Spannung, mehr über die Zugwege kleiner Vögel von Ost nach West zu lernen. »Teilweise infizieren sich diese Tiere in Ostasien mit der Vogelgrippe. Bei ihrem Zug durch das Gebiet der Russischen Föderation können sie dann andere Tiere anstecken. Hier mehr zu wissen, wäre sehr hilfreich.«

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