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Antibiotika: Tierhaltung wohl nicht Hauptquelle resistenter Erreger

Die Rolle der Tierhaltung für die Entstehung von Antibiotikaresistenzen ist in der Fachwelt umstritten. Neue Daten deuten an, dass sie geringer ist als vermutet.
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Antibiotikabehandlungen in Nutztieren zu beschränken, ist nach Ansicht kanadischer und schottischer Forscher ein weniger effektives Mittel gegen Resistenzen als bislang vermutet. Ein Team um Stuart Reid von der University of Glasgow stellte in einer Studie fest, dass nur ein kleiner Teil der genetischen Vielfalt resistenter Salmonellenstämme in Schottland auf Erregerpopulationen in Nutztieren zurückgeht. Demnach tragen Mensch und Vieh zwar die gleichen Erreger, die einzelnen Populationen überschneiden sich in ihrer Verbreitung jedoch nur gering. Die Forscher glauben, dass sich dieses Ergebnis auch auf andere Keime übertragen lässt.

Die Wissenschaftler untersuchten insgesamt 5200 schottische Proben des Durchfallerregers Salmonella typhimurium aus dem Zeitraum von 1990 bis 2004, je etwa die Hälfte von Menschen und Nutztieren. Der Erreger ist in Schottland meldepflichtig, so dass die Daten den Großteil der Ausbrüche in diesem Zeitraum abdecken. In diesen Proben fanden Reid und Kollegen insgesamt 65 gegen Antibiotika resistente Stämme, von denen 22 sowohl bei Menschen als auch bei Nutztieren die Krankheit auslösten.

In diesen identifizierten die Forscher die Resistenzgene und kartierten deren Vielfalt. Mit Hilfe statistischer Verfahren stellten sie fest, dass aus dieser Gruppe lediglich fünf Stämme ursprünglich bei Tieren aufgetreten sind, elf dagegen beim Menschen. Damit stammt nach dieser Analyse in Schottland nur ein Zehntel aller 52 resistenten Stämme dieses Bakteriums, die bei Menschen Durchfall auslösten, ursprünglich aus Nutztieren – deutlich weniger als von vielen Experten vermutet. Außerdem entdeckte das Team deutlich mehr exklusiv menschliche Erreger, als man in einer gemeinsamen Population erwarten sollte. Die Forscher schließen daraus, dass die Populationen dieser Keime in Mensch und Tier wesentlich stärker voneinander getrennt sind als bisher angenommen. (lf)

47. KW 2011

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 47. KW 2011

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  • Quellen
Proceedings of the Royal Society B 10.1098/rspb.2011.1975, 2011

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