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Experiment mit Diskoblumen: Hummeln überraschen mit erstaunlichem Rhythmusgefühl

Mit Lichtblitzen und rhythmischen Vibrationen testeten Fachleute das Taktempfinden von Hummeln – und die Bienen mit dem flauschigen Po entpuppten sich dabei als ziemlich talentiert.
Nahaufnahme einer Hummel vor einem blauen Hintergrund. Der Kopf mit den großen, facettierten Augen ist direkt gen Kamera gerichtet, die langen Fühler und die gelb-schwarz gefärbten Härchen sind deutlich sichtbar.
Links, zwo, drei, links, zwo, drei – auch Hummeln haben offenbar den Rhythmus im Blut.

Manchen Tieren wird das Rhythmusgefühl offenbar in die Wiege gelegt. Sie verwenden beispielsweise Geräusch- oder Lichtpulse, um einander damit Nachrichten zu senden: Glühwürmchen blinken in bestimmten Mustern, Grillen zirpen im Takt, Vögel zwitschern komplexe Lieder, und auch wir Menschen nutzen derartige Kommunikationswege, vom Sprechen übers Musizieren bis hin zum Tanz. Doch wie sieht es mit Tieren aus, die nicht über rhythmische Signale miteinander kommunizieren? Haben sie ebenfalls die Fähigkeit, solche Muster zu erkennen und zu deuten? Diese Frage stellten sich Fachleute um Fei Peng und Cwyn Solvi – und machten sich daran, das mit den Hummeln in ihrem Labor zu testen. Dabei fanden sie, dass die Insekten nicht nur sehr feine Antennen für abstrakte Rhythmen hatten. Sie zeigten dabei sogar ein Maß an Flexibilität, das man bislang nur von Menschen und einigen Singvögeln kannte.

Den Grundaufbau des Experiments hielt das Team schlicht: Sie bauten sechs »Diskoblumen«, die mit gleich stark leuchtenden LED-Lämpchen versehen waren. Drei davon leuchteten in einem bestimmten Muster, die restlichen drei in einem anderen. Die erstgenannten waren mit einer Belohnung in Form von Zuckerwasser versehen, in den anderen enthielt das Wasser einen Stoff, den die Hummeln nicht leiden konnten. 20 Tiere lernten in dieser Umgebung, das eine Leuchtsignal mit der Leckerei zu verknüpfen. Beim nachfolgenden Testlauf waren die Blumen dann nicht mehr mit den unterschiedlichen Stoffen bestückt. Die Hummeln flogen jedoch weiterhin eher auf jene zu, die mit dem verlockenden Muster blinkten.

Im ersten Durchgang wählten die Fachleute noch ein einfaches, regelmäßiges Lichtsignal. Nachdem die Bienen diese Hürde mit Bravour genommen hatten, machten sie den nächsten Test etwas schwieriger. Sie programmierten die Lämpchen mit irregulären Mustern, die man sich ähnlich wie die Buchstabencodes beim Morsen vorstellen kann. Auch das stellte die Hummeln kaum vor Herausforderungen – nach den Lerndurchgängen fanden sie weiterhin ihren Weg zu den »richtigen« Blüten. Je länger sie diese vor dem Landen beobachteten, umso zielsicherer wählten sie sie aus.

Um das Ganze noch eine Stufe komplizierter zu machen, bekamen die Tiere nach der nächsten Lernphase dasselbe Muster gezeigt, aber in veränderter Geschwindigkeit. Wieder schnitten sie weitaus besser ab, als man bei einer zufälligen Auswahl der Blüten erwarten könnte. Selbst als das Team die Lichter gegen Vibrationsmuster tauschte, fanden die meisten der Hummeln ihren Weg zum Ziel. Sie hatten sich die Signalabfolge also gemerkt und konnten sie auf eine andere sensorische Ebene übertragen. Die Kombination dieser Fähigkeiten hat man zuvor nur bei Vögeln und Menschen dokumentiert.

Wie die Bienen eine solche außerordentliche Denkleistung erbringen, ist noch völlig unklar. Die Fachleute möchten der Frage in Folgeuntersuchungen nachgehen. In der Zwischenzeit hoffen sie, einen Beitrag dazu geleistet zu haben, dass die Forschung etwas mehr von ihrer immer noch anthropozentrisch geprägten Sichtweise abrückt. Denn selbst vermeintlich »einfachere« Tiere besitzen womöglich viel höhere kognitive Fähigkeiten, als wir ihnen bisher zugesprochen haben.

  • Quellen
Zeng, Z. et al., Science science.org/doi/10.1126/science.adz2894, 2026

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