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Regenwald: Tod am Amazonas

Noch ist es die größte tropische Wildnis des Planeten Erde: der Amazonasregenwald - Hort der Artenvielfalt und Heimat einzigartiger Indianervölker. Aber unerbittlich fressen sich Viehzucht, Landbau und Abholzung tiefer und tiefer in die grüne Lunge Südamerikas hinein. Europäische Konsumgewohnheiten tragen stark dazu bei.
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Der Aufschrei des Entsetzens war groß, als Auftragsmörder am 12. Februar 2005 die amerikanische Nonne Dorothy Stang auf dem Weg zu einer Versammlung im brasilianischen Bundesstaat Pará regelrecht hinrichteten – zumindest in den USA und in Brasilien. In Europa dagegen tauchte die Meldung, wenn überhaupt, allenfalls auf den hinteren Seiten der Zeitungen auf. Empörte Zwischenrufe kamen nur von einigen Naturschutzorganisationen: Keine Regierung protestierte oder mahnte strengere Einhaltung von Gesetzen an.

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Grünflügelara | Der Regenwald Südamerikas ist eines der letzten Wildnisgebiete des Planeten und berühmt für seine riesige Artenvielfalt.
Das hörte sich vor 16 Jahren noch anders an, als der Kautschukzapfer Chico Mendes ebenfalls sterben musste, nur weil er sein traditionelles Leben fortsetzen wollte. Chico Mendes war ein so genannter Seringueiro: ein Kautschukzapfer, der durch die Regenwälder am Amazonas streifte und verstreut wachsende Kautschukbäume besuchte, um deren Harz zu sammeln – einen Milchsaft, aus dem Autoreifen hergestellt werden können. Diese Nutzung geschah im Einklang mit der Natur und zerstörte den Wald nicht, war aber mächtigen Viehbaronen und Landspekulanten ein Dorn im Auge. Viehzucht war ihrer Meinung nach lukrativer, und so ließen sie die Wildnis lieber abholzen und in Flammen aufgehen. Der Regenwald, der zuvor viele nährte, musste weichen zur Mehrung des Wohlstands Einzelner.

Diese Großgrundbesitzer hatten allerdings nicht mit der internationalen Empörung gerechnet, die nach dem Mord aufkam. Sie übte letztendlich so hohen Druck auf die brasilianische Regierung aus, dass große Flächen der Heimat Chico Mendes' als Nutzungsreservate unter Schutz gestellt und der Landraub im Westen Amazoniens zumindest vorläufig verlangsamt wurde. Staatenübergreifende Hilfsprogramme liefen an, und Deutschland wie die damalige Europäische Gemeinschaft überwiesen in der Folge viel Geld nach Brasilien, um den Schutz des Regenwaldes zu fördern.

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Brandrodung im Regenwald | Wie ein Krebsgeschwür frisst sich die Brandrodung tiefer und tiefer in den südamerikanischen Regenwald hinein. Der Wald muss den expandierenden Viehweiden und Sojaplantagen weichen.
Im Jahr 2005 hat sich nun der Brennpunkt der Umweltzerstörung in den Osten und Süden des Amazonasbeckens verlagert. Und wie einst Chico Mendes setzte sich die Ordensschwester Dorothy Strang vorbildlich wie gewaltlos für die Menschenrechte kleiner Landbesitzer und den Schutz des Regenwaldes ihrer Wahlheimat ein. Selbst als sie von dem bezahlten Todeskommando mit Gewehren bedroht wurde, nahm sie nur ihre Bibel und sagte: "Dies ist meine Waffe!" Die derart "bewaffnete" 73-jährige Nonne starb schließlich durch sechs aus nächster Nähe abgefeuerte Kugeln.

Eine andere Art von Rinder-Wahnsinn

Die hehren Ziele, die sie verfolgte, werden zumindest in Sonntagsreden immer wieder von europäischen Politikern hochgehalten. Doch es ist gerade auch Europas Konsumverhalten und seine Wirtschafts- wie Agrarpolitik, welche die momentane Wildwest-Situation und vermeintliche Goldgräberstimmung in Brasilien noch anheizen und fördern. Die Worte, die den einen Verheißung und den anderen Fluch bedeuten, heißen Holz, Rinder und Soja – alle drei nachgefragte Güter in der Europäischen Union.

Gerade im Namen von Vieh und Hülsenfrucht werden Jahr für Jahr immense Flächen in Südamerika abgeholzt: Allein zwischen August 2002 und August 2003 kam es in Brasilien zur Umwidmung von 23 750 Quadratkilometern Regenwald in landwirtschaftliche Nutzfläche – achtzig Prozent der Rodungen erfolgten dabei nach Auskunft der brasilianischen Bundesumweltagentur IBAMA illegal.

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Kahlschlagfläche | Vor dem Feuer kommen meist noch die Holzfäller, die dem Wald die wertvollen Mahagoni-Stämme entreißen – ein auch in Deutschland immer noch beliebtes Holz. Bevor die Axt im Walde hausen kann, müssen die betroffenen Gebiete durch Straßen erschlossen werden. Sie bieten dann das Einfallstor für Siedler, Viehbarone und Großgrundbesitzer. Selbst auf Indianerreservate wird keine Rücksicht genommen.
Der Bogen dieser Zerstörung spannt sich momentan von Mato Grosso bis nach Pará und folgt immer einem anscheinend bewährten Muster: Um die wirtschaftliche "Entwicklung" eines Gebietes voranzutreiben, baut der Staat eine erste, unbefestigte Straße. Sie bildet das Einfallstor für landlose Siedler, etwa aus dem armen Nordosten Brasiliens, und Holzfäller, die sich holzige Filetstücke wie Mahagoni aus dem Wald holen.

Gerade Sägewerksbetreiber nehmen dabei wenig Rücksicht auf Schutzgebiete oder Indianerreservate, wie Werner Paczian, der Sprecher der Hamburger Naturschutzorganisation "Rettet den Regenwald", bei Recherchen vor Ort feststellen musste: "Weil die zugänglichen Mahagoni-Bestände außerhalb der Reservate erschöpft sind, dringen die Holzfäller in die Indianergebiete ein und holzen dort ab." Vollkommen rechtlos, denn eigentlich darf die geschützte Heimat der Ureinwohner nicht betreten oder gar genutzt werden.

Kein Schutz für Indianer

Die brasilianische Behörde FUNAI, die sich eigentlich um die Belange der Indianer kümmern soll, ist aber zu klein, mangelhaft ausgestattet und in Teilen auch korrupt, sodass sich immer wieder Übergriffe auf Indianerland ereignen. Häufig kommen dabei die Urwaldvölker auch mit den Eindringlingen und deren Krankheiten in Kontakt, was ihr Immunsystem überfordert. So berichtet Paczian vom Stamm der Arawete, unter dessen Mitgliedern die Windpocken grassierten: Eingeschleppt von Holzfällern, starben daran im Jahr 2001 selbst ansonsten kerngesunde junge Männer.

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Soja-Plantage | Wo sich einst artenreiche Savannen und Regenwälder erstreckten, herrscht heute meist nur noch öde Monotonie. Aus dem vormals riesigen Cerrado Brasiliens wurde so ein Hotspot der Biodiversität, der in seinem Bestand existenziell bedroht ist. Die Ausweitung der Sojaflächen ist auch Ergebnis europäischer Agrarpolitik und europäischen Konsums, der auf billiges Fleisch setzt und die Einfuhr von Sojaschrot fördert.
Das aus dem Stammesland illegal entnommenen Mahagoni – eigentlich durch das CITES-Abkommen im Handel strikt reglementiert und durch brasilianische Gesetze streng geschützt – gelangt auch nach Europa und wird dort unter anderem zu Särgen und Klodeckeln verarbeitet. Erschwert wird die Kontrolle durch die Vielzahl an Hölzern, die als Mahagoni verkauft werden. Zudem ist Pará ein Hort der Korruption: Gefälschte Ausfuhrpapiere lassen sich leicht kaufen und wahrscheinlich kann es so passieren, dass brasilianisches Mahagoni trotz eines Einschlagmoratoriums der Regierung über den Umweg Peru dennoch nach Deutschland verkauft wird.

Nach dem Holzraub folgen teils landesweit operierende Agrarunternehmen und Viehzüchter. Vereinzelt kaufen sie die oft unproduktiven Kleinparzellen der Neusiedler auf, zumeist aber vertreiben sie diese einfach mit Gewalt und nehmen ihr Land in Beschlag. Viele der derart Vertriebenen müssen sich dann anschließend als Lohnsklaven auf den neuen Farmen verdingen, um überhaupt überleben zu können: Einem Report von Sandra Pfotenhauer von Greenpeace Deutschland zufolge werden allein in Pará 25 000 Menschen in einer derartigen Abhängigkeit gehalten.

Mord und Sklaverei an der Tagesordnung

Die Rollkommandos der Großgrundbesitzer und Sägewerksbetreiber schaffen dabei ein Klima der Angst, in dem Morde an "widerspenstigen" Gewerkschaftern, Umweltschützern oder Indianeraktivisten an der Tagesordnung sind. Dorothy Stang und Chico Mendes sind dabei nur die Spitze des Eisbergs: In all den Jahren zwischen beiden Tötungen fielen nach Angaben von Werner Paczian mindestens 400 weitere Menschen den Lohnmördern zum Opfer – allein dreißig davon im kleinen Urwaldstädtchen Sao Felix do Xingú im Bundesstaat Pará, wie Pfotenhauer zu berichten weiß. In den seltensten Fällen werden die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen oder überhaupt ermittelt. Pfotenhauer meint dazu: "Vor zwanzig Jahren wurde die Bundespolizei in diesem Gebiet auf ein Viertel verringert. Einige Firmen und ihre politischen Verbündeten nutzen nun die mangelhaften Kontrollen, um Land in diesen Regionen zu besetzen." Menschenrechte? Fehlanzeige.

Der eventuell noch verbliebene Wald auf den mit Gewalt genommenen Parzellen wird gerodet oder abgebrannt und die Flächen dann als extensive Viehweide oder intensive Sojakultur genutzt. Während des Anbaus kommen vielfach große Mengen an Pestiziden zum Einsatz, um die Monokulturen vor Schädlingen zu schützen. Häufig geraten Landarbeiter in Kontakt mit den Giften und erleiden schwere Gesundheitsschäden. Vielfach schwemmen die ergiebigen tropischen Regenschauer die Spritzmittel in nahe Flüsse und Quellen, wo sie die Fischgründe verseuchen und sich in der Nahrungskette bis hin zum Menschen anreichern. Nach wenigen Jahren sind diese ohnehin armen Tropenböden dann vollends ausgelaugt und müssen aufgegeben werden: Neue Abholzungen folgen.

Wird die Straße noch asphaltiert, beschleunigt und intensiviert sich die Waldzerstörung. Im Amazonasbecken erfolgen nach Angaben des brasilianischen Umweltinstituts IPAM 75 Prozent der Abholzungen entlang von Teerstraßen und nur fünf Prozent in der Umgebung von Lehmpisten. Ist das Vernichtungswerk vollbracht, findet sich in jeweils fünfzig Kilometer breiten Streifen entlang der befestigten Verkehrswege kaum mehr ein Baum. Mittlerweile finanziert die Sojalobby Brasiliens diese Infrastruktur in Teilen selbst, und bezeichnenderweise ist der Gouverneur von Mato Grosso – Blairo Maggi – gleichzeitig der Besitzer von einem der weltweit größten Sojaproduzenten. Politische Ziele und unternehmerische Wünsche gehen folglich Hand in Hand.

Das Ende der Vielfalt

So frisst sich wie ein Krebsgeschwür diese seit Jahrzehnten beklagte Entwicklung zunehmend in den Regenwald vor, nachdem im südlich davon gelegenen, klimatisch günstigeren Cerrado-Gebiet Brasiliens die meisten leicht zugänglichen Flächen bereits zu Plantagen und Weiden umgestaltet wurden. In der artenreichsten Savanne der Erde wächst inzwischen nur noch auf etwa einem Drittel der ursprünglichen Verbreitung die natürliche Vegetation. Der Rest: zerstört oder degradiert.

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Pestizide als Kollateralschädiger | Rund zwanzig Produzent der Produktionskosten von Soja entfallen auf den Gebrauch von Pestiziden. Im tropischen Klima werden gerade Monokulturen von zahlreichen Insekten und Pilzen heimgesucht, die man mit Gift bekämpfen muss – wiederum ohne Rücksicht auf Landarbeiter und die Umwelt.
Einst war der Cerrado das zweitgrößte Ökosystem Brasiliens, heute zählt er zu den gefährdeten Zentren der Artenvielfalt, denn viele seiner endemischen Tier- und Pflanzenarten stehen kurz vor der Ausrottung, und Schutzgebiete sind Mangelware. Dabei propagierten einst auch Umweltschützer eine Ausweitung der Landwirtschaft in der Savanne, um so Druck vom Regenwald zu nehmen. Diese landwirtschaftliche Erschließung steigerte bereits die Sojaproduktion von 20 000 Tonnen 1970 auf 29 Millionen Tonnen im Jahr 2002.

Nachdem nun aber im Cerrado das Zerstörungswerk weitgehend vollbracht ist und die Expansion des Agrarsektors staatlicherseits und von privater Hand weiterhin gewünscht wird, wenden sich die Agrarkonzerne erneut verstärkt dem Regenwald zu. Denn das Geschäft mit dem Soja und mit Rindfleisch blüht: Insgesamt erzeugte Brasilien 2003 auf 18,5 Millionen Hektar Landesfläche über 52 Millionen Tonnen Soja und weideten allein im Amazonasraum 55 Millionen Rinder. Und diese Zahlen sollen sich zukünftig noch steigern. Laut Paczian von "Rettet den Regenwald" ist in den nächsten zehn Jahren eine Verdreifachung der Produktion geplant. Die dafür nötigen Flächen müssen sogar auf das Fünffache, also 100 Millionen Hektar, steigen, denn zunehmend dringt der Sojaanbau in klimatisch ungünstige Gebiete mit armen Böden vor.

Europas Mitschuld

Was aber haben die Europäer konkret mit dieser Problematik zu tun? Viel: Denn wie in allen anderen wohlhabenden Gesellschaften der Welt gilt gerade auch in unseren Breiten Fleisch als ein Stück Lebensqualität – es darf aber nicht zu teuer sein. Und um den hohen Bedarf hierzulande zu decken, muss auf Massentierhaltung zurückgegriffen werden, in der gegenwärtig die meisten der knapp 16 Millionen Rinder und 24 Millionen Schweine Deutschlands leben. Das Futter für die derart gehaltenen Viehheere kann aber nicht allein auf deutschen Landen erzeugt werden, denen es schlichtweg an Fläche fehlt . Die von dem Münchner Zoologen Josef Reichholf ob ihrer massenhaften Großviehherden als deutsche "Super-Serengeti" titulierte Agrarindustrie muss folglich große Mengen Zusatzfutter importieren.

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Agrarwüste | Nach wenigen Jahren der Nutzung sind die ohnehin unfruchtbaren tropischen Böden der Regenwaldgebiete vollends ausgelaugt und müssen aufgegeben werden. Zurück bleibt artenarmes Ödland, dass Jahrhunderte benötigen wird, um sich zu regenerieren.
Soja ist hierfür besonders gut geeignet, denn sie ist sehr eiweißreich und fördert so das Wachstum und die Mast der Tiere. Die Europäische Union führt daher mehr als 30 Millionen Tonnen der Bohnen und des daraus gewonnen Sojaschrots ein – vornehmlich aus den USA, aus Argentinien und Brasilien. Mittlerweile ist Sojaschrot das wichtigste Einzelfuttermittel in der EU.

Da aber in den Vereinigten Staaten und in Argentinien zunehmend gentechnisch veränderte Soja angepflanzt wird, konzentriert sich der Handel in den letzten Jahren zunehmend auf Brasilien. Denn Einfuhr und Verwendung von genetisch modifizierten Nahrungsmitteln unterliegen strengen Restriktionen in Europa. Und im Gegensatz zum Zucker, der ebenso aus Brasilien bezogen werden könnte, muss hier kein einheimischer Produzent geschützt werden – und folglich gibt es keinerlei Mengenbeschränkungen für das Zusatzfutter.

Deutscher Konsum und deutsches Geld treiben Raubbau an

Einen weiteren Schub für die brasilianische Sojaindustrie brachte 2001 das Verfütterungsverbot von Tiermehl im Rahmen der BSE-Bekämpfung. Um nach dieser Einschränkung die Fleischproduktion auf ihrem hohen Niveau halten zu können, mussten die Erzeuger noch mehr Soja zukaufen. Diese Umstellung belebte den ohnehin regen Handel mit dem pflanzlichen Wachstumsbeschleuniger weiter, was wiederum nur durch neue Flächen möglich wurde – oder wie es Werner Paczian ausdrückt: "Unsere Bauernhöfe wachsen am Amazonas."

Auch Rindfleisch aus Brasilien erfreut sich wachsender Beliebtheit in Europa – gilt es doch als gesünder, weil das Vieh BSE-frei ist und schließlich unter freiem Himmel grasen darf. Folglich schossen die Exporte in die EU auf das Fünffache nach oben – erneut auf Kosten des Regenwaldes, denn um das Mehr an Rindern zu erzeugen, musste eine Fläche der doppelten Größe Portugals gerodet werden.

Infrastruktur, Rodungen und Landwirtschaft werden häufig auch noch durch Kredite deutscher Banken wie der WestLB, der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) oder der Weltbanktochter IFC (International Finance Corporation) gefördert. Allein die WestLB finanzierte oder ebnete den Weg für Projekte des Maggi-Konzerns – der nichts mit der gleichnamigen Suppenwürze zu tun hat – in Brasilien in Höhe von 100 Millionen Dollar, die DEG gab 2001 weitere zwölf Millionen Dollar dazu. Deutsche Steuergelder fließen also direkt in die Regenwaldzerstörung.

Was aber – außer den vielfältigen Menschenrechtsverletzungen – ist so schlimm an der Vernichtung der südamerikanischen Natur? Nun, es steht sehr viel auf dem Spiel, denn der Amazonasregenwald zählt nicht nur zu den letzten großen Wildnisgebieten der Erde, er ist auch der Raum mit der größten Artenvielfalt. So beheimatet Amazonien auf fünf Millionen Quadratkilometern Fläche 55 000 Pflanzen-, 3000 Süßwasserfisch-, 1600 Vogel und 450 Säugetierarten – ganz zu schweigen von den Millionen Spezies der Insekten, Wirbellosen oder Pilzen. Der Amazonas ist das größte Flusssystem des Planeten, und die Wälder an seinen Ufern speichern immense Mengen des Treibhausgases Kohlendioxid.

Abgesehen von diesen in Geld nicht messbaren Verlusten durch das Zerstörungswerk am Amazonas, gäbe es zudem auch genügend heimische Alternativen zu Soja: etwa Rapsschrot, Bohnen oder Brautrebe, wie Werner Paczian ein Beispiel aus dem Münsterland zitiert. Biobauern dürfen ohnehin kein Sojaschrot einsetzen, und die Milch der mit der Brautrebe gefütterten Kühe verteuerte sich nach Angaben des Bauern auch nur um einen halben Cent.

Dorothy Stang wird dadurch nicht wieder lebendig, aber immerhin bewirkten die Proteste innerhalb Brasiliens und aus den USA, dass Präsident Lula 2000 Soldaten nach Pará sandte, um die ausufernde Gewalt einzudämmen. Das Mordkommando wurde gefasst (die Hintermänner allerdings noch nicht). Und schließlich richtete Lula per Dekret ein riesiges Waldschutzgebiet in der Region ein, um so den Raubbau zumindest zu bremsen. Ihn wirklich stoppen kann allerdings nur ein Konsumwandel in unserer Gesellschaft.
19.03.2005

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 19.03.2005

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