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Chronic Wasting Disease: Tödliche Prionenkrankheit erstmals in Europa

Eine fatale Hirnerkrankung wurde erstmals in norwegischen Rentieren nachgewiesen. Wie weit ist sie in Europa tatsächlich verbreitet?
RentiereLaden...

Bislang kannten Veterinärmediziner Chronic Wasting Disease (CWD) nur von Rehen, Hirschen und Elchen aus Nordamerika und Südkorea. Doch norwegische Wissenschaftler um Sylvie Benestad vom Norwegischen Veterinärinstitut in Oslo haben die verheerende Prionenerkrankung jetzt auch in skandinavischen Rentieren nachgewiesen – die ersten Fälle dieser hochansteckenden und tödlichen Tierseuche in Europa. Unklar ist deshalb bislang, ob es sich nur um Einzelfälle handelt oder ob die Seuche auch auf unserem Kontinent weiter verbreitet ist und einfach noch nicht belegt worden war. Wie BSE oder die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit bei Menschen entsteht CWD, wenn sich Prionen genannte zelluläre Proteine strukturell verändern und zusammenklumpen. Dazu beeinflussen die schädlichen Partikel auch benachbarte, gesunde Proteine, so dass diese sich ebenfalls umformen – weshalb immer größere schädliche Ablagerungen im Hirn entstehen. Sie beeinträchtigen schließlich die Funktionsfähigkeit des Denkapparats bis hin zu Koordinationsproblemen und Verhaltensänderungen und führen schließlich zum Tod.

Bislang ist nicht bekannt, ob CWD auch auf Menschen übertragen werden kann, allerdings breitet sie sich unter Tieren rasch aus, sobald ein Individuum daran leidet. Die infektiösen Prionen können über Speichel, Urin und Kot ausgeschieden und weitergegeben werden. Erstmals beobachtet wurde die Krankheit in den USA, wo sie bis heute in 20 Bundesstaaten sowie in zwei kanadischen Provinzen nachgewiesen wurde. Nach Südkorea gelangte sie über importierte Zuchthirsche. Der norwegische Nachweis gelang nur durch Zufall: Biologen wollen eigentlich wild lebende Rentiere mit Signalhalsbändern ausstatten, um ihre Wanderungen per Satellit zu beobachten. Während ihrer Expedition in die südnorwegischen Berge stießen sie jedoch auf ein sterbendes Tier, das sie bargen und den Veterinären um Benestad überbrachten. Bei der Routineautopsie bemerkten diese das krankhaft veränderte Hirn und wiesen mit Standardtests die Prionen nach. Wie CWD nach Norwegen gelangte, ist unklar: Es entstand entweder spontan durch eine Mutation oder ging von anderen Tieren wie Schafen über, vermuten die Forscher. Schafe beispielsweise leiden unter einer ähnlichen Erkrankung namens Scrapie, die wiederum als die Ursache für BSE gilt, nachdem Rinder mit infiziertem Schafmehl gefüttert worden waren. Einen Import von CWD schließen Benestad und Co dagegen aus.

16/2016

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 16/2016

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