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Gruselige Infektion: Tödliche Schwimmbad-Amöben wollen unsere Neurotransmitter

Schwimmbad-Amöben sind selten, fies und tödlich: Über die Nase wandern sie ins Hirn und beginnen dort zu fressen. Aber wie finden sie den Weg?
Hirnamöbe, Naegleria fowleri Laden...

Das Geißeltierchen Naegleria fowleri lebt meist unbeachtet im feuchten, warmen Boden oder in Pfützen, kann aber durch unglückliche Umstände auch zu einer tödlichen Gefahr für Menschen werden: Wenn die Einzeller sich in Badeseen und schlecht desinfizierten Schwimmbädern vermehren, steigt die Gefahr, dass Schwimmer sie zufällig aufnehmen und die Einzeller dann über den Riechnerv ins Hirn wandern. Dort lösen die Erreger vor allem bei Jugendlichen und Kindern die kaum behandelbare, fast immer tödliche Hirnhautentzündung "PAME" (Primäre Amöben-Meningoenzephalitis) aus. Warum der Feuchtbodenbewohner Naegleria diesen fatalen Weg im menschlichen Körper einschlägt, war unbekannt – aber offenbar, meinen zwei Forscher nun, folgt das Geißeltierchen seinem Hunger nach dem Botenstoff Azetylcholin direkt in unser Gehirn und beginnt dort, unsere Nervenzellen zu verspeisen.

Das pakistanische Wissenschaftlerduo hatte in verschiedenen Einzellern nach Rezeptoren für Azetylcholin gefahndet und fand tatsächlich eine Variante von mAChR1, einer der häufigsten Andockstellen für den Neurotransmitter im Menschen. Ein baugleicher Rezeptor findet sich nicht nur in unseren Zellen und der Schwimmbad-Amöbe, sondern auch in verwandten Einzellern wie Acanthamoeba castellanii, die ebenfalls Menschen befallen können, allerdings nicht über die Nase, sondern über kleine Hautverletzungen.

Unklar ist, warum die Amöbenverwandtschaft sich zu Azetylcholin hingezogen fühlt. Immerhin machen die Erkenntnisse nun aber klar, wieso gegen Azetylcholinrezeptoren der Einzeller gerichtete Wirkstoffe diese rasch töten. Deren Einsatz im Menschen als Medikament ist derzeit allerdings kaum möglich, weil die Azetylcholin-Signalwege auch im menschlichen Körper eine so wichtige Rolle spielen und deshalb schwere Nebenwirkungen kaum zu vermeiden wären. Die Forscher hoffen daher zunächst, in weiteren Versuchen mehr über die biologische Bedeutung der Rezeptoren für die im Boden extrem häufigen Acanthamoeba und ihre Verwandten herauszufinden – womöglich ergibt sich aus diesem Wissen dann ein Ansatz für die Bekämpfung der pathologischen Formen.

39/2016

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 39/2016

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