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Biowaffen: Tödlicher Milzbranderreger aus Russland sequenziert

Ein Milzbranderreger aus dem sowjetischen Biowaffenprogramm tötete 1979 etwa 100 Menschen. Nun hat eine Arbeitsgruppe sein Erbgut sequenziert.
Künstlerische Darstellung von Bacillus anthracis. Aus einzelnen Zellen bestehende Fäden vor ominösem grünen HintergrundLaden...

Im April 1979 suchte eine mysteriöse Seuche die russische Stadt Swerdlowsk, heute Jekaterinburg, heim. Etwa 100 Menschen starben nach offiziellen Angaben an einem Milzbrandausbruch, den die Behörden damals auf verdorbenes Fleisch schoben. Doch 1992 kam die Wahrheit ans Licht: Ursache der Epidemie war ein undichter Filter in einer geheimen Biowaffenfabrik, durch den eine Wolke tödlicher Anthraxsporen in die Umwelt gelangte. Nun haben Wissenschaftler das Genom der Biowaffe aus in Formalin konservierten Gewebeproben sequenziert und auf diese Weise einen Blick in das sowjetische Biowaffenprogamm während des Kalten Kriegs geworfen. Dabei erwiesen sich viele Gerüchte über die vermeintlich exotischen Kampfmikroben als unbegründet.

Die Arbeitsgruppe um Paul Keim von der Northern Arizona University in Flagstaff erstellte eine Genombibliothek verschiedener Stämme des Milzbranderregers Bacillus anthracis und ermittelte so die Verwandtschaftsbeziehung der Biowaffe zu wild lebenden Varianten der Mikrobe. Dabei zeigte sich, dass die Waffe eng verwandt ist mit einer gut bekannten Gruppe von Anthraxbakterien, aus der auch zwei Linien stammen, die man für Lebendimpfstoff verwendet.

Kerns Arbeitsgruppe fand vor allem keinen Hinweis darauf, dass dem Erreger im Biowaffenlabor künstliche Antibiotikaresistenzen angezüchtet worden sind – Fachleute hatten immer wieder über derartige Manipulationen spekuliert. Das – und das Fehlen sonstiger Manipulationen – deutet darauf hin, dass die Forscher an solchen veränderten Biowaffen womöglich auf Probleme stießen. So kann schon das Züchten im Labor einen Krankheitserreger weniger aggressiv machen. Bei modernen Biowaffen dürfte dieses Problem aber wohl inzwischen gelöst worden sein.

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