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Pferde: Tölt der Islandpferde stammt vermutlich aus England

Die Spezialgangart der Islandpferde stammt vermutlich aus dem frühmittelalterlichen England. Züchteten Wikinger die Gangpferde gezielt für einen gemütlicheren Ritt?
Islandpferde

Die meisten Pferde beherrschen drei Gangarten: Schritt, Trab und Galopp. Doch die so genannten Gangpferde, wie zum Beispiel Islandpferde, haben ein größeres Repertoire. Dieses verdanken sie einer genetischen Mutation. Ein internationales Forschungsteam um Arne Ludwig vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin und Michael Hofreiter von der Universität Potsdam haben jetzt herausgefunden, dass der berühmte Gang der Islandpferde, der Tölt, wahrscheinlich aus dem frühmittelalterlichen England stammt.

Wissenschaftler vermuteten bisher, dass die ersten isländischen Pferde vor rund 1100 Jahren von Wikingern aus Skandinavien eingeführt wurden. Jetzt untersuchten Forscher uralte DNA-Proben von Pferden aus der Kupferzeit bis zum Mittelalter und machten eine überraschende Entdeckung. Sie fanden die Töltmutation in der DNA englischer Pferde aus dem 9. Jahrhundert, jedoch nicht in skandinavischen Proben.

Die Wissenschaftler halten es für extrem unwahrscheinlich, dass die gleiche Mutation zufällig sowohl in England als auch in Island auftrat. Stattdessen dürften die Wikinger die Pferde wegen ihrer besonderen Gangart von England aus nach Island transportiert und dort gezielt gezüchtet haben. Die Forscher vermuten, dass sich die Mutation erst im Anschluss, hauptsächlich von Island aus, auf der ganzen Welt verbreitete.

Gangarten bei Pferden sind dadurch definiert, in welcher Reihenfolge und Geschwindigkeit die Tiere ihre vier Beine bewegen. Der Tölt, die Spezialgangart der Islandpferde, ist für den Reiter besonders gemütlich. Dabei werden, ähnlich wie beim Schritt, alle vier Beine des Tieres nacheinander bewegt. Allerdings bietet der Tölt eine Variation an Geschwindigkeiten. So kann man im schnellen Trab- oder Galopptempo reiten, ohne bei jedem Schritt in die Luft geschleudert zu werden. Diese besonders gemütliche und zugleich zügige Gangart könnte gerade auf unebenen Wegen von Vorteil gewesen sein.

32/2016

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 32/2016

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