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Topologie der Migräne

Millionen Menschen leiden an Migräne. Nichtsdestotrotz gibt sich die Krankheit immer noch rätselhaft. Neue Ergebnisse deuten an, daß Ursachen in der Hirnhaut zu suchen sind.
Damit widersprechen Forscher von den Johns Hopkins Medical Institutions traditionellen Erklärungen wie der Ausdehnung oder dem Zusammenziehen von Blutgefäßen in der Kopfhaut. Sie zeigen, daß der Ort des gefühlten Schmerzes mit dem einer Entzündung der Hirnhaut übereinstimmt. Aber nicht diese Entzündung ist unmittelbare Ursache des Schmerz, so Marco Pappagallo, Leiter des Projekts. Vielmehr glauben die Forscher, daß die Entzündung – und damit auch die Migräne – von einer ungewöhnlichen Nervenaktivität herrührt. Dies legen Tierversuche nahe, die eine Entzündung der Hirnhaut nach der elektrischen Stimulation des Nervus trigenimus, dem Hauptnerven vom Gehirn zu Kopf und Gesicht, ergaben.

Die Wissenschaftler benutzten das SPECT-Verfahren (single photon emission computerized tomography), um die Hirnhaut während eines Migräneanfalls zu untersuchen. Zunächst zeigten die Patienten auf einem Diagramm, wo der Schmerz lokalisiert sei. Dann wurde ihnen intravenös das Blutplasmaprotein Albumin gespritzt, welches mit radiokativen Isotopen angereichert war. Die SPECT-Messungen während der akuten Migräneattacke wurde mit Aufzeichnungen nach mehreren Minuten, Stunden und Tagen verglichen. Die Forscher konnten auf diese Weise in der Hirnhaut eine Entzündung feststellen. Dabei werden Blutgefäße ungewöhnlich durchlässig und können von Molekülen wie dem Albumin durchdrungen werden. Die SPECT-Aufnahmen wiesen durch helle, diffuse Flecken die Schwachstellen in der Hirnhaut nach – genau dort, wo die Patienten ihren Kopfschmerz fühlten.

Mit der neuen Methode kann zum einen Migräne diagnostiziert werden, zum anderen öffnet sie neue Wege zu einer Therapie, so die Wissenschaftler auf einer im April 1999 stattfindenden Konferenz der American Academy of Neurology in Toronto.

Im Gegensatz zu Entzündungen, die durch ein Trauma oder eine Infektion ausgelöst werden, sind für die beobachteten "neurogenen Entzündungen" Neuropeptide verantwortlich, die von Nervenenden freigesetzt werden. Dabei gibt es einen unangenehmen Nebeneffekt: Sie sensibilisieren auch nahegelegene Schmerzrezeptoren in der Hirnhaut. So basieren die wichtigsten Medikamente für Migräne darauf, daß sie die Freisetzung von Neuropeptiden blockieren. Zwar ist die Arbeit nur eine sehr kleine Pilotstudie, aber die SPECT-Bilder verknüpfen die Stelle der Schmerzen eindeutig mit der Hirnhaut, sagt Pappagallo.

Trotz all der Forschung, die sich bisher mit der Migräne auseinandersetzte, bleibt die Störung im großen und ganzen unverstanden, und Wissenschaftler haben nur unvollständige Erklärungsmodelle für die Ursache. Traditionelle Ansichten gehen davon aus, daß eine epilepsieartige Störung in einem Auslösezentrum im Gehirnstamm den Nervus trigenimus aktiviert, der sich bis zum Gesicht und der Kopfhaut verzweigt.

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