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Naturkatastrophen: Ein Vulkan, der Blob und Millionen tote Vögel

Im Jahr 2013 wurden Millionen Seevögel tot an australischen Stränden angespült. Es war wohl die Folge von zwei gleichzeitigen Katastrophen.
Kurzschwanz-Sturmtaucher

Massenhaft tauchten im Jahr 2013 verendete Kurzschwanz-Sturmtaucher an Australiens Ostküste auf. Später schwemmte das Meer sie auch an den Küsten der Insel Lord Howe und sogar Neuseelands an. Insgesamt schätzten Zoologen die Zahl der angetriebenen Tiere auf drei Millionen Exemplare; unzählige weitere blieben einfach tot auf See. Im Journal »Marine Ecology Progress Series« legten Lauren Roman vom CSIRO Oceans and Atmosphere in Hobart und ihr Team eine Studie vor, die den Tod der Tiere mit zwei katastrophalen Ereignissen im Pazifik in Zusammenhang bringt.

Bereits 2013 hatten Biologen festgestellt, dass die gefundenen Seevögeln in einem verheerenden Zustand waren. Viele waren so geschwächt, dass sie selbst von Tierrettern angebotenes Futter nicht fraßen und schnell starben. Neben den Sturmtauchern fand sich an den Stränden allerdings auch noch weiteres Treibgut, das den an der Studie beteiligten Scott Bryan aufmerksam machte: Die Küstenlinie war übersät mit vulkanischem Bimsgestein, einem leichten und schwimmfähigen Material, das zahlreiche gasgefüllte Poren aufweist und dadurch nicht untergeht. Nach unterseeischen Vulkanausbrüchen können sich dichte Teppiche davon auf dem Meer ausbreiten, die schon manchen Seefahrer in die Irre geführt hatten – sie fürchteten, auf nicht in Karten eingezeichnete Inseln oder Riffe aufzulaufen.

Eine Autopsie von 172 eingesammelten Kadavern erbrachte, dass fast alle Tiere zuvor Bims gefressen hatten; einige Exemplare wiesen sogar mehr als 30 Bruchstücke auf. Gleichzeitig besaßen die Sturmtaucher kaum mehr Muskelmasse, was ebenfalls ein Zeichen von Nahrungsmangel war. Kurzschwanz-Sturmtaucher ziehen jedes Jahr von ihren Überwinterungsgebieten im Beringmeer, wo sie den Sommer der Nordhalbkugel verbringen, in die Gewässer um Tasmanien und zwischen Australien und Neuseeland, um dort zu brüten. Die Seevögel kamen also bereits unterernährt aus dem Überwinterungsgebiet an, um dann die Bimsteppiche in der Brutregion vorzufinden.

Tatsächlich war 2012 ein Vulkan nordöstlich der neuseeländischen Küste ausgebrochen, dessen Eruptionsmaterial zeitlich passend in die Nahrungsgründe der Seevögel getrieben sind, wie Bryan ermittelte. Das erklärt aber noch nicht, warum die Sturmtaucher bereits geschwächt im Südpazifik angekommen sind. Die Biologin Roman hat dafür jedoch ebenfalls bereits eine Erklärung: Vor dem Aufbruch der Vögel dominierte aufgeheiztes Wasser das Beringmeer im Nordpazifik, der so genannte Blob – eine ausgeprägte Warmwasserblase, die in den letzten Jahren häufiger aufgetreten ist und vor Ort immer wieder zu einem Massensterben an verhungerten Seevögeln und Meeressäugern führt.

Zum Glück sei es seit 2013 nicht mehr zu einer derartigen Katastrophe vor Australien gekommen, sagte Roman gegenüber dem »Guardian«. In der letzten Brutzeit kamen die Sturmtaucher wohlgenährt im Süden an.

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