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Lange unentdeckt: Im Golf schwimmt ein neuer Großwal

Auch im Golf von Mexiko schwimmen Wale. Dass sich darunter aber eine wissenschaftlich bislang völlig unbekannte Art befinden könnte, überraschte die Wissenschaftler.
BrydewalLaden...

Im Januar 2019 strandete ein mehr als zehn Meter langer, toter Wal in den Everglades von Florida. Seine Überreste boten Patricia Rosel von der US-amerikanischen Ozeanbehörde NOAA und ihrem Team die Gelegenheit, endlich einen Vertreter der im Golf von Mexiko beheimateten Brydewale zu untersuchen. Bei der Autopsie erlebten Rosel und Co dann eine große Überraschung, wie sie im Journal »Marine Mammal Science« berichten: Das Tier war kein Vertreter der in den tropischen Meeren weit verbreiteten Brydewale (Balaenoptera brydei), sondern gehört tatsächlich zu einer bislang unbekannten, eigenständigen Walart, dem Rice-Brydewal (Balaenoptera ricei).

Seit Jahrhunderten wissen Menschen, dass auch im Golf von Mexiko Wale leben, und mindestens seit den 1990er Jahren war bekannt, dass Brydewale in der Region vorkommen. Doch hatten Biologen diese stets zur Art Balaenoptera brydei gezählt. Genstudien 2014 belegten dann, dass jene Population sich deutlich von ihren Verwandten unterschied. Um endgültig sicherzugehen, benötigten Rosel und ihr Team allerdings den Schädel eines der Tiere. Anhand von dessen Anatomie und weiterem Genmaterial aus dem Kadaver konnten sie schließlich festlegen, dass es sich um eine eigenständige Art handelt.

Über das Verhalten der Tiere ist bislang nur sehr wenig bekannt. Laut ersten Untersuchungen könnten die Rice-Brydewale im Gegensatz zu ihren Verwandten während der Nahrungssuche aber tief tauchen. Bereits jetzt gilt die Art als stark bedroht, so leben schätzungsweise nur rund 100 Exemplare im Golf. Die größten Gefahren für ihren Fortbestand gehen von Kollisionen mit Schiffen, übermäßigem Lärm im Meer sowie Verschmutzungen durch die Ölbohrungen vor der US-Küste aus.

Der Rice-Brydewal ist nicht die einzige Walart, die in den letzten Jahren neu beschrieben wurde. Kurz nach der Jahrtausendwende etwa erfassten Biologen den Omurawal im Indischen Ozean neu, ebenfalls ein Verwandter der Brydewale. Und in der Familie der Schnabelwale werden sogar regelmäßig neue Mitglieder entdeckt.

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