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Organtransplantation: Spenderlungen, die zu allen Empfängern passen

Organe mit der Blutgruppe 0 können allen Menschen gespendet werden. Von ihnen gibt es allerdings nicht genug. Eine neue Behandlung mit Enzymen könnte das ändern.
Ärzte besprechen Röntgenbild

In Deutschland benötigen ungefähr 9000 Menschen ein überlebenswichtiges Spenderorgan, knapp 300 von ihnen brauchen eine Lunge. Auf diese warten sie im Schnitt ein bis zwei Jahre. Das liegt auch daran, dass nur 40 bis 50 Prozent der potenziellen Spenderlungen transplantiert werden können – etwa, weil ihre Blutgruppen auch zu den Empfängern passen müssen. Kanadische Forscherinnen und Forscher vom Toronto General Hospital Research Institute haben nun ein Verfahren entwickelt, mit dem sie die Blutgruppe von Lungen ändern können. Das berichtet das Team um Aizhou Wang im Fachblatt »Science Translational Medicine«. Durch die Behandlung mit bestimmten Enzymen wandelt sich die Blutgruppe von A zu 0. Organe mit dieser Blutgruppe sind mit allen anderen Blutgruppen kompatibel und können somit mehr Menschen gespendet werden.

Die Wissenschaftler führten die Methode an acht Lungen durch, die nicht transplantiert werden konnten. Dazu schlossen sie die Organe an ein Gerät an, welches das Gewebe außerhalb des Körpers mit Flüssigkeit versorgt – ein Verfahren, das als Ex-vivo-Lungenperfusion bezeichnet wird. Der zirkulierenden Lösung fügten sie zwei Enzyme hinzu. Innerhalb von vier Stunden entfernten diese fast alle Antigene der Blutgruppe A von den Zellen der Lungen, so dass jene am Ende die Blutgruppe 0 aufwiesen. Anschließend testeten sie, ob Antikörper gegen das A-Antigen eine Abstoßungsreaktion hervorriefen. Keines der Organe reagierte darauf, was den Erfolg der Enzymbehandlung bestätigte.

Eine so behandelte Lunge kommt insbesondere auch für Empfänger mit Blutgruppe 0 in Frage. In ihrem Blut zirkulieren Antikörper, die Spenderorgane der häufigeren Blutgruppen A und B sofort angreifen und zerstören würden. Dadurch warten sie im Schnitt länger auf ein passendes Organ und haben ein um 20 Prozent höheres Risiko zu versterben, bevor ein geeigneter Spender gefunden wird.

Ob die behandelten Lungen mit der Zeit wieder ihre ursprüngliche Blutgruppe A bilden und wenn ja, wann, ist unklar: Die Enzyme, die das Antigen der Blutgruppe A zusammenbauen, zirkulieren weiterhin im Gewebe. Ob das gesundheitliche Konsequenzen hätte, ist aber nicht gesagt: Nieren beispielsweise können mit bestimmten Vorsichtsmaßnahmen transplantiert werden, obwohl die Blutgruppen von Empfänger und Spender nicht kompatibel sind. Auch hier bilden sich mit der Zeit Antikörper gegen das transplantierte Gewebe, ohne dass es zu einer Abstoßung kommt.

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