Direkt zum Inhalt

Verlust: Wie man Trauernde wirklich unterstützt

Viele Menschen wissen nicht, wie sie reagieren sollen, wenn jemand in ihrem Umfeld einen nahestehenden Menschen verliert. Der wichtigste Schritt ist dabei denkbar einfach.
Nahaufnahme von filigranen, durchscheinenden Blütenblättern einer Hortensie, die von warmem, goldenem Licht durchleuchtet werden. Die verblühten Blüten zeigen ein feines, netzartiges Muster. Der Hintergrund ist unscharf und in sanften Gelb- und Grüntönen gehalten, was eine ruhige und stimmungsvolle Atmosphäre schafft.
Die Vergänglichkeit des Lebens ist für Menschen oft schmerzhaft.

»Ist es okay, eine Nachricht zu schreiben – oder wirkt das unpersönlich? Soll ich vielleicht besser an der Tür klingeln – oder ist das übergriffig? Vielleicht sage ich besser gar nichts, meine Freundin möchte womöglich ohnehin nicht darüber sprechen.« Solche Gedanken gehen vielen durch den Kopf, wenn jemand aus dem Bekanntenkreis einen nahestehenden Menschen durch den Tod verloren hat. Wir spüren, dass wir jetzt für den Freund oder die Freundin da sein sollten, wissen aber nicht genau, wie. Worauf kommt es an, wenn man jemandem in der Trauer zur Seite stehen möchte?

»Sozialer Beistand ist enorm wichtig«, sagt Lauren Breen von der Curtin University im australischen Perth. »Für die meisten Menschen sind Freunde und Familie nach einem Verlust die wichtigsten Stützen.« Das gilt umso mehr, wenn der Verlust traumatisierend war, wie das etwa der Fall ist, wenn ein Kind gestorben ist oder die Todesumstände besonders schlimm waren. Wer sozial eingebunden ist, findet sich im neuen Alltag – ohne den geliebten Menschen – besser zurecht. Hingegen sind depressive Symptome und Gedanken daran, sich das Leben zu nehmen, häufiger, wenn Hinterbliebene sich nach einem Verlust einsam fühlen.

Obwohl es so wichtig ist, Trauernden zur Seite zu stehen – und das den meisten Menschen auch intuitiv klar sein dürfte –, fühlen sich viele Hinterbliebene in ihrem sozialen Umfeld nicht gut aufgefangen. In einer Umfrage eines Teams um die US-amerikanische Trauerforscherin Joanne Cacciatore gaben 38 Prozent der Befragten an, sich »schlecht« oder »sehr schlecht« unterstützt zu fühlen. Besonders enttäuscht waren sie von Familienmitgliedern und Nachbarn: 42 Prozent waren unglücklich über deren Reaktionen. Im Kollegenkreis fühlten sich 36 Prozent nicht gut aufgehoben. Mit ihren Freunden machten 25 Prozent der Befragten unangenehme Erfahrungen.

Am besten schnitten Haustiere ab: Praktisch niemand war mit dem Verhalten seines Hundes oder seiner Katze unzufrieden. Tiere vermitteln bedingungslose Zuneigung. Sie urteilen nicht und sagen auch nicht unbedacht Dinge, die schmerzhaft sein können. Trauernde erleben die stille Präsenz ihrer Vierbeiner als entlastend. Sie können ihrem Haustier vom Verlust erzählen, ohne unterbrochen oder mit Ratschlägen bedacht zu werden. »Einfach für einen trauernden Menschen da zu sein, auch ohne Worte, fällt uns oft schwer. Man muss die Stille aushalten können«, sagt Rupert Scheule, Moraltheologe an der Universität Regensburg und Leiter des Studiengangs »Perimortale Wissenschaften«, in dem es um Sterben, Tod und Trauer geht.

»Man muss die Stille aushalten können«Rupert Scheule, Moraltheologe

In einer Studie von 2020 befragte ein Team um Lauren Breen Menschen in Australien und Irland, die in den zwei Jahren zuvor einen für sie wichtigen Menschen verloren hatten. Die meisten von ihnen hatten sich im neuen Alltag eingefunden und kamen zurecht. Doch 20 bis 30 Prozent von ihnen ging es körperlich und psychisch schlechter als vor dem Trauerfall – vor allem jenen, die sich nicht gut unterstützt fühlten.

»Als wir die Hinterbliebenen fragten, wer ihnen die beste Stütze gewesen sei, nannten sie Familie und Freunde. Fragten wir nach der größten Quelle enttäuschender Reaktionen, nannten sie ebenfalls Familie und Freunde«, sagt Lauren Breen. Das überrascht nicht. Gerade von nahestehenden Menschen erwarten wir Halt. Bleibt er aus, trifft es uns umso stärker. Schließlich sind wir davon ausgegangen, in schweren Zeiten auf sie zählen zu können.

Unsicherheit kommunizieren statt Floskeln

Es ist normal – und völlig in Ordnung –, nicht zu wissen, wie man als Freund reagieren soll. »So geht es den meisten Menschen«, sagt Lauren Breen. »Man darf diese Unsicherheit so stehen lassen.« Man dürfe sie auch offen zeigen, etwa in einer Textnachricht. Man könne etwa schreiben: »Es tut mir unendlich leid. Ich weiß nicht, was ich sagen soll, aber ich bin für dich da.« Das wirke ehrlich und authentisch, so die Trauerforscherin, und sei gerade deshalb hilfreich.

»Für die allermeisten Menschen sind Freunde und Familie nach einem Verlust die wichtigsten Stützen«Lauren Breen, Psychologin

Vor allem wer die eigene Unsicherheit selbst nur schwer erträgt, greift schnell zu Floskeln, um sie zu überspielen. Zum Beispiel: »Die Zeit heilt alle Wunden«, »Du musst jetzt nach vorn schauen«, »Es war Gottes Wille« oder »Du bist stark, du schaffst das«. Solche Plattitüden dienen vor allem dazu, die Lücke zu schließen, die die eigene Ratlosigkeit hinterlässt. Für Trauernde kann das jedoch sehr verletzend sein.

Vermeiden Sie »Ich weiß, wie du dich fühlst«

Breen erinnert sich an eine Frau, die ein Kind verloren hatte. Sie berichtete, jemand habe zu ihr gesagt: »Ich weiß, wie du dich fühlst, mein Wellensittich ist gestorben.« Der Vergleich verkennt die existenzielle Dimension des Verlustes eines Kindes. Der Tod des eigenen Kindes erschüttert die eigene Identität und Zukunft und wirft grundlegende Sinnfragen auf. Hinzu kommt: Sätze, die mit »Ich weiß, wie du dich fühlst« beginnen, sind per se heikel. Niemand kann genau wissen, was in einer anderen Person vorgeht.

Unsensible Reaktionen brennen sich ins Gedächtnis ein, weiß Breen. »Menschen erinnern sich noch Jahre später daran.« Es kommt vor, dass Freunde oder Bekannte Hinterbliebene meiden. Manche wechseln die Straßenseite oder melden sich einfach nicht mehr. »Dahinter steckt meist keine böse Absicht. Die meisten Menschen sind nicht bewusst verletzend.« Weshalb reagieren Menschen häufig dennoch so?

Dieser Frage ist Josephine Tognela nachgegangen, eine Doktorandin von Lauren Breen. In einer Übersichtsarbeit von 2025 schaute sie sich zwischenmenschliche Dynamiken zwischen Trauernden und Unterstützenden an. Dafür sichtete sie 23 Studien, in denen beide Seiten zu Wort kamen. Eingeschlossen waren reale, aber auch hypothetische Szenarien. In letzteren sollten sich Teilnehmende anhand von Fallbeispielen vorstellen, wie sie in einer bestimmten Situation eine trauernde Person unterstützen würden – oder wie sie eine solche Unterstützung als trauernde Person empfinden würden.

Trauer ist kein Problem, das gelöst werden muss

Josephine Tognela beschreibt in ihrer Arbeit Normen und Erwartungen, die den Umgang mit Verlust in westlichen Gesellschaften prägen. Die Psychologin argumentiert, dass solche Kulturkreise Krankheit, Alter und Sterben möglichst aus dem Alltag ausblenden, um ihre eigene Angst vor der Endlichkeit zu kontrollieren. Offene, lang anhaltende Trauer gilt bei uns schnell als »zu viel«, »krankhaft« oder als Zeichen mangelnder Selbstkontrolle. Tognela bezieht sich dabei auf die sogenannte Terror-Management-Theorie. Diese geht davon aus, dass Menschen gesellschaftliche Normen befolgen, um ihre Angst vor dem Tod im Zaum zu halten.

Der Trauer Raum geben

Zugleich gibt es Tognela zufolge die Haltung, Trauer zwar anzuerkennen, sie aber begrenzen zu wollen, etwa mit Sprüchen wie »Du musst loslassen lernen« oder »Du musst jetzt nach vorn schauen«. So etwas ist hinderlich, wenn es darum geht, der Trauer Raum zu geben. Trauer verläuft nicht geradlinig. Sie ist ein Lernprozess, der nicht im Loslassen mündet, sondern in der Integration der Trauer ins Leben. Trauer ist widersprüchlich und unkontrollierbar. Doch westliche Todes- und Trauerverleugnung, so Tognela, führten dazu, dass man dazu neige, Trauernde möglichst schnell wieder »funktionsfähig« machen zu wollen – ein oft unbewusster Anspruch, der Trauernde unter Druck setzt und schmerzhaft für sie ist.

»Es gibt die Idee, Trauer müsse ›abgearbeitet‹ werden, um irgendwann zu verschwinden«, sagt Rupert Scheule, der in seiner Funktion als Seelsorger auch Hinterbliebene begleitet. Das hätten auch die Trauernden selbst verinnerlicht. »Ich erlebe, dass Menschen sich für ihre Trauer schämen.« Sie würden dann zum Beispiel sagen: Das muss doch jetzt langsam besser werden!

»Menschen brauchen Pausen von ihrer Trauer«Rupert Scheule, Moraltheologe

Dieser Anspruch beruht auf einer veralteten Vorstellung von Trauer. Bis heute stößt man im Internet häufig auf sogenannte Phasenmodelle: Es entsteht der Eindruck, man könne Trauer abarbeiten und eine Phase nach der anderen wie Treppenstufen hinter sich lassen – von anfänglicher Wut und Verzweiflung bis hin zur Akzeptanz. »Diese Sichtweise hat sich als falsch erwiesen«, sagt Rita Rosner, Psychologische Psychotherapeutin an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Es gäbe beispielsweise Menschen, die von Anfang an nicht intensiv trauerten, was aber nicht bedeute, dass sie keine enge Beziehung zur verstorbenen Person gehabt hätten. Anderen ginge es auch Jahre nach dem Verlust noch sehr schlecht. »Trauer ist etwas sehr Individuelles«, so Rosner.

Pendeln zwischen Verlust und Neuausrichtung

Von den meisten Experten anerkannt ist inzwischen das von den niederländischen Psychologen Margaret Stroebe und Henk Schut entwickelte duale Prozessmodell. Demnach pendeln Trauernde zwischen zwei Polen, dem verlustorientierten und dem wiederherstellungsorientierten Pol. An ersterem geht es um eine Auseinandersetzung mit Erinnerungen, Sehnsüchten und dem Schmerz, etwa indem man über die verstorbene Person spricht oder durch ein altes Fotoalbum blättert. Am wiederherstellungsorientierten Pol richtet man sein Leben neu aus. Zum Beispiel kann es sein, dass man seinen Alltag umstrukturiert, da man nun allein für die Kinder zuständig ist und mehr arbeiten muss, weil ein Einkommen weggefallen ist. Manchmal befindet man sich Stunden oder Tage am einen oder anderen Pol. Oder man wechselt binnen weniger Minuten: Wer gerade noch verzweifelt geweint hat, kann kurze Zeit später ein Meeting leiten. Zeiten des Verdrängens und der Ablenkung helfen bei der Verarbeitung.

Die zwei Welten der Trauer | Wer einen geliebten Menschen verloren hat, pendelt im Alltag oft zwischen einem verlustorientierten und einem wiederherstellungsorientierten Pol. Dieser Wechsel ist laut dem dualen Prozessmodell auch hilfreich für die Bewältigung. Außenstehende können Trauernde auf beiden Seiten unterstützen. Zum Beispiel indem sie gemeinsam über die verstorbene Person sprechen oder den Hinterbliebenen praktisch im Alltag entlasten.

Trauernde brauchen Beistand an beiden »Polen« – jemanden, der da ist, wenn eine Welle der Trauer über sie hinwegrollt, ebenso wie Unterstützung im Alltag und Zeiten, in denen es um ganz andere Dinge als Trauer und Tod geht. Als Freund oder Freundin kann man ein Abendessen vorbeibringen, die Kinder von der Schule abholen oder einen Filmabend planen.

»Menschen brauchen Pausen von ihrer Trauer«, sagt Scheule. »Manche erinnern sich dann vielleicht Jahre später noch daran, wie gut es getan hat, in der schweren Zeit gemeinsam die Olympischen Spiele zu schauen.«

Wie Sie Trauernde unterstützen können

Unsicherheit ist normal. Viele Menschen wissen nicht, wie sie reagieren sollen. Sie müssen Ihr Unbehagen nicht auflösen. Ein authentisches »Ich weiß nicht, was ich sagen soll, aber ich bin für dich da« ist völlig angemessen.

Vermeiden Sie ungefragte Ratschläge und Plattitüden. Floskeln wie »Zeit heilt alle Wunden« oder Sätze, die mit »Wenigstens …« beginnen, sind für Trauernde oft schmerzhaft. Trauer braucht Zeit und Raum. Es ist nicht Ihre Aufgabe, sie zu »reparieren«.

Seien Sie für die trauernde Person da. Dafür braucht es nicht viele Worte. Konzentrieren Sie sich auf das, was Ihre Freundin oder Ihr Freund denkt und fühlt, statt eigene Erfahrungen in den Vordergrund zu stellen. Vermeiden Sie Sätze wie »Ich weiß, wie du dich fühlst«. Niemand kann genau wissen, was in der anderen Person vorgeht.

Bieten Sie Ihre Unterstützung an. Statt zu sagen »Melde dich, wenn du etwas brauchst«, können Sie konkrete Angebote machen und die Person im Alltag entlasten, etwa indem Sie die Kinderbetreuung übernehmen oder bei der Organisation von Terminen helfen. Oder Sie bringen einfach mal ein warmes Abendessen vorbei.

Manchmal braucht es Ablenkung. Hinterbliebene brauchen Pausen von ihrer Trauer. Vielleicht hilft Ihrer Freundin oder Ihrem Freund gerade ein Kinoabend oder ein Cafébesuch am besten.

Nicht immer braucht es Worte. Einfach da zu sein, eine Umarmung oder eine Hand auf der Schulter sagt mehr als jeder Trostspruch. Halten Sie die Stille aus.

Respektieren Sie unterschiedliche Formen von Trauer. Es gibt keine richtige oder falsche Art, zu trauern. Trauer hat keinen Zeitplan und muss nicht »abgearbeitet« werden. Psychologen gehen heute davon aus, dass Trauer nicht irgendwann endet, sondern ins Leben integriert wird.

Bleiben Sie dran. Melden Sie sich auch Wochen oder Monate später noch bei der Person. Gerade Jahres- und Feiertage wie Weihnachten rufen bei Hinterbliebenen oft schmerzhafte Erinnerungen hervor.

Achten Sie auf Warnzeichen. Wenn jemand Suizidgedanken hat, sich noch viele Monate nach dem Todesfall von sozialen Aktivitäten zurückzieht und im Alltag schwer zurechtkommt, ist professionelle Hilfe nötig.

nach Ideen von Lauren Breen und Maarten Eisma in »How to talk to someone who’s grieving«, psyche, 2025, und von Rupert Scheule

Josephine Tognela entwickelte auf Basis ihrer Analysen das sogenannte Interaction Model of Informal Social Support following Bereavement. Unterstützung für eine trauernde Person ist hier keine feste Größe, die sich etwa an der Zahl getätigter Anrufe oder Besuche bemessen lässt. Vielmehr beschreibt die Psychologin den Austausch zwischen der trauernden Person und dem Freund oder der Freundin als Prozess, der in zwei Richtungen kippen kann.

Trauer kann verbinden oder entfremden

Auf dem »negativen Pfad« hält der Unterstützende an der Vorstellung fest, Trauer müsse überwunden werden. Aus Unbehagen erteilt die Person Ratschläge (»Lenk dich am besten ab, dann denkst du nicht so viel daran«), bewertet (»Du darfst dich da nicht so hineinsteigern«) oder meidet Gespräche. Die trauernde Person reagiert darauf, indem sie sich zurückzieht. In der Folge wird die Freundschaft brüchig, vielleicht endet sie sogar ganz.

Essen vorbeibringen, die Kinder von der Schule abholen oder einen Film schauen

Auf dem »positiven Pfad« gelingt es Freunden, die eigene Unsicherheit auszuhalten. Sie begegnen der Trauer offen und flexibel, ohne sie beenden zu wollen – etwa indem sie fragen: »Möchtest du darüber sprechen?« Auch ein schlichtes »Ich denke an dich« ist hilfreich. So eine Haltung überträgt sich. Trauernde fühlen sich sicher, das Vertrauen und die Beziehung festigen sich.

»Das soziale Netzwerk kann sich nach einem Trauerfall deutlich verändern«, weiß Lauren Breen. »Trauernde sagen häufig: ›Die Freunde, die ich vor dem Verlust hatte, sind völlig andere Freunde als die, die ich jetzt habe.‹« Trauer kann Menschen zusammenschweißen oder sie auseinandertreiben.

Josephine Tognela fand in ihrer Arbeit einen Zusammenhang zwischen der Absicht der Unterstützenden und der Wahrnehmung der Trauernden: Wenn Menschen angaben, sie hätten sich darum bemüht, Beistand zu leisten, nahmen Trauernde ihre Handlungen oder Worte meist auch als unterstützend wahr. Die Effektstärken waren dabei klein bis mittel. Das bedeutet: Der gute Wille war zwar spürbar, genügte aber nicht immer, um echte Entlastung zu bringen. Oder anders formuliert: Man weiß theoretisch, was gut wäre, scheitert in der Praxis aber manchmal an gesellschaftlichen Erwartungen oder an der eigenen Unsicherheit.

Doch es gibt auch Situationen, in denen Freunde und Freundinnen nicht helfen können. Ein Team um Heidi Müller, Vorsitzende des Bereavement Network Europe, hat ein dreistufiges Versorgungsmodell für Trauernde vorgeschlagen. Die erste Stufe umfasst den Beistand durch das soziale Umfeld – also das, was Familie, Freundinnen und Freunde leisten können. Auf der zweiten Stufe helfen Trauerbegleiter oder Selbsthilfegruppen, wenn Menschen kein soziales Netzwerk haben oder zusätzliche Belastungen (etwa familiäre Krisen) hinzukommen, die die Situation verschärfen.

Auf der dritten Stufe ist eine Psychotherapie vorgesehen, wenn die Trauer über einen ungewöhnlich langen Zeitraum anhält und so stark ist, dass sie das Leben massiv beeinträchtigt. Manche Menschen spüren noch viele Monate oder sogar Jahre nach dem Tod ihres Angehörigen eine überwältigende Sehnsucht nach der Person, haben Schwierigkeiten, den Tod zu akzeptieren, und ziehen sich aus sozialen Aktivitäten zurück. Eine solche Reaktion geht über »normale« Trauer hinaus; die sogenannte anhaltende Trauerstörung ist eine eigenständige Erkrankung. Schätzungsweise drei bis vier Prozent der Hinterbliebenen sind davon betroffen. Freunde spielen auch hier eine wichtige Rolle, indem sie Veränderungen im Alltag der betroffenen Person wahrnehmen. Sie können sie behutsam dazu ermutigen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, und sie bei der Terminorganisation unterstützen.

In den allermeisten Fällen braucht es jedoch keine Psychotherapie. Oft gelingt es Freunden oder anderen nahestehenden Menschen, das Gefühl vermitteln: Du bist nicht allein. Nicht perfekte Worte entscheiden darüber, ob Unterstützung gelingt, sondern die Bereitschaft, für den anderen da zu sein – auch wenn es schwer ist.

WEITERLESEN MIT »SPEKTRUM +«

Im Abo erhalten Sie exklusiven Zugang zu allen Premiumartikeln von »spektrum.de« sowie »Spektrum - Die Woche« als PDF- und App-Ausgabe. Testen Sie 30 Tage uneingeschränkten Zugang zu »Spektrum+« gratis:

Jetzt testen

(Sie müssen Javascript erlauben, um nach der Anmeldung auf diesen Artikel zugreifen zu können)

  • Quellen

Cacciatore, C. et al., PLOS ONE 10.1371/journal.pone.0252324, 2021

Müller, H. et al., Zeitschrift für Evidenz, Fortbildung und Qualität im Gesundheitswesen 10.1016/j.zefq.2021.02.004, 2021

Pitman, A. L. et al., Social Psychiatry and Psychiatric Epidemiology 10.1007/s00127–020–01921-w, 2020

Tognela, J. A. et al., Death Studies 10.1080/07481187.2025.2454506, 2025

Schreiben Sie uns!

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte

Bitte erlauben Sie Javascript, um die volle Funktionalität von Spektrum.de zu erhalten.