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Ernährung : Traum von der Mittelmeerdiät geplatzt?

Die Mittelmeerdiät mit viel Gemüse, Obst, Fisch und Olivenöl gilt als Inbegriff gesunder Ernährung. Doch eine wichtige Studie musste nun zurückgezogen werden.
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Ernährungsstudien sind immer mit Vorsicht zu genießen. Zu oft verwechseln ihre Betrachter Korrelation und Kausalität, denn vielfach wird nur aus riesigen Datensätzen extrahiert, ob ein bestimmtes Nahrungsmittel bei den Konsumenten segensreiche Wirkung hat. Deshalb erregte eine Studie aus dem Jahr 2013 besonderes Aufsehen: Spanische Wissenschaftler hatten damals im »New England Journal of Medicine« die Ergebnisse eines echten Feldversuchs in Spanien veröffentlicht, bei dem einem Teil der Mitwirkenden mit hohem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen gezielt die Mittelmeerdiät verpasst wurde, während zwei weitere Gruppen sich anders ernährten. Am Ende stand, dass Olivenöl, reichlich Salat und Obst sowie Fisch dieses Risiko um ein Drittel senken können – zumindest im Vergleich mit der Gruppe, die sich fettreduziert ernähren sollte. Der dritte Teil der Probanden bekam die Mittelmeerdiät um Nüsse ergänzt, was sich ebenfalls als förderlich für ihre Gesundheit erwies, wie die Wissenschaftler damals schrieben: Sie schnitten genauso gut ab wie die Teilnehmer mit reiner Mittelmeerdiät.

Fünf Jahre später müssen die Autoren diese Studie jedoch zurückziehen. Stattdessen publizierten sie im »New England Journal of Medicine« eine ungewöhnliche Neuanalyse ihres Versuchs. Wie die »New York Times« berichtet, hatte der jeweils beteiligte Mediziner Miguel Martínez-González von der Universidad de Navarra die ursprüngliche Studie auf einer Liste mit Publikationen entdeckt, deren Daten unsauber erschienen. Daraufhin überprüften Martínez-González und sein Team die Arbeitsmethoden von jedem der an der Studie beteiligten Forschungszentren und wie diese ihre Teilnehmer rekrutiert hatten.

Dabei stießen die Wissenschaftler auf einige Ungereimtheiten. Die drei Gruppen sollten einigermaßen gleich aufgebaut sein – in keiner sollten überdurchschnittliche viele junge oder ältere, gesunde oder kranke Probanden vorhanden sein, um das Ergebnis nicht zu verzerren. Für ein Zehntel der Freiwilligen traf dies jedoch nicht zu. In einigen Fällen beispielsweise wurden verheiratete Personen ausgewählt und dann gleichzeitig noch deren Partner in die Studie mit aufgenommen, wenn sie sich an die gleichen Ernährungsvorgaben hielten. Sie wurden also nicht zufällig ausgewählt. Und da es sich um Familienangehörige handelte, teilten sie wahrscheinlich viele Ernährungs- und Lebensweisen, was die Ergebnisse dann in eine bestimmte Richtung verschieben kann. Von den mehr als 7400 Teilnehmern betraf dies rund 390 Personen.

Zudem entdeckten die Forscher ein zweites Problem: Einer der beteiligten Wissenschaftler arbeitete in kleinen Dörfern und sah sich dann Beschwerden der Bewohner ausgesetzt. Sie beklagten sich, dass manche hochwertiges Olivenöl geschenkt bekamen, während sie nur Nüsse oder preisgünstige Geschenke erhielten. Daraufhin ließ der Mitarbeiter allen Menschen in diesen Dörfern die gleiche Diät zukommen, ohne dies mitzuteilen. Das betraf 650 Personen, deren Daten statistisch ebenfalls bereinigt werden mussten. Mit diesen Anpassungen haben Martínez-González und Co ihre Arbeit noch einmal neu analysiert – und kommen zum gleichen Schluss. Wenn sie die sauber erhobenen Daten auswerten, bleibe immer noch eines bestehen: Die Mittelmeerdiät – gerne ergänzt um Nüsse – senke das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um ein Drittel verglichen mit einer fettreduzierten Diät.

Gegenüber der »New York Times« äußerten sich mehrere Wissenschaftler jedoch sehr skeptisch. Die neue Analyse behebe beispielsweise nicht die grundsätzlichen Probleme der Arbeit, so etwa der Statistiker Donald Berry vom Anderson Cancer Center in Houston. Die Ernährungswissenschaftlerin Hilda Bastian schreibt auf ihrem Blog bei »PLoS One«, dass die Fehler die Studie statistisch nicht mehr haltbar machen. Ob und wie stark die Mittelmeerdiät also die Gesundheit positiv beeinflusst, müssen also die nächsten Studien zeigen.

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