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Algesiologie: Treffsicheres Schmerzmedikament verhindert Nebenwirkungen

Ein an Mäusen erfolgreich getesteter Wirkstoff scheint die schmerzlindernde Wirkung von Valium-Medikamenten hervorzurufen, ohne dabei die mit der Stoffgruppe einhergehenden Nebenwirkungen nach sich zu ziehen, berichten Forscher der Universität Zürich. Das Team konnte mit dem neuen Ansatz gezielter ausgewählte Rezeptoren blockieren, die vor allem an der Schmerzentstehung beteiligt sind.

Die Wissenschaftler um Hanns Zeilhofer untersuchten zunächst, wie Diazepam (Valium) chronischen Schmerz in Mäusen lindert. Das Medikament unterbindet bei einer Injektion ins Rückenmark die Schmerzweiterleitung nebenwirkungsfrei durch eine lokale Blockade von zwei der insgesamt drei Andockstellen des so genannten GABA-Rezeptors. Die Nebenwirkungen des Medikaments – etwa große Schläfrigkeit – resultieren dagegen durch seine Wirkung auf die dritte, so genannten alpha-1-Untereinheit des GABA-Rezeptors im Gehirn, ermittelten die Wissenschaftler. Das Team entwickelte daher einen über die Nahrung aufgenommenen Wirkstoff, der nur die GABA-Rezeptoreinheiten außer alpha-1 blockiert. Diese Verbindung, L-838,417, testeten sie dann erfolgreich an Nagern.

Die Schmerzen der Versuchstiere ließen dabei nach, typische Nebenwirkungen blieben dagegen aus. Hirnscans der Tiere mit funktioneller Magnetresonanztomografie belegten, dass durch die Medikamentengabe die Aktivitäten in den Hirnarealen abnahmen, die bei Schmerzen und emotionalem Stress besonders aktiv sind.

Derzeit werden bereits Medikamente auf Benzodiazepin-Basis für den Menschen entwickelt, die nicht auf die alpha-1-Untereinheit des GABA-Rezeptors wirken. Falls der Mechanismus bei Mäusen und Menschen sehr ähnlich ist, sollten auf diesem Weg Schmerzmittel mit weniger Nebenwirkungen gefunden werden können, hoffen Schmerzforscher. Sie geben aber zu bedenken, dass vor einer klinischen Anwendung noch eine Reihe von Versuchen ausstehen. Derzeit werden Benzodiazepine wie Valium nicht gegen Schmerzen, sondern vor allem zur Behandlung von Angst- und Unruhezuständen und als Schlafmittel verschrieben. (jo)
18.01.2008

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 18.01.2008

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