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News: Trennung mit Folgen

Obwohl sich der antarktische Ninnis-Gletscher schon seit den 80er Jahren auf dem Rückzug befindet, ragte seine Zunge bis vor kurzem weit in den südlichen Ozean hinein. Ende Januar 2000 zerbrach sie und ein Forscher wurde zufällig Zeuge dieses seltenen Ereignisses. Nun ziehen zwei Eisberge von der Größe Berlins durch das Meer und hinterlassen eine vielleicht tiefgreifend veränderte Umwelt.
Der Ninnis-Gletscher im Osten der Antarktis gehört zu den beiden großen Eismassen, deren Zungen auf dem Wasser des südlichen Ozeans schwimmen. Zusammen mit dem Mertz-Gletscher prägt er auf diese Weise die Küstenlinie der King-George-V-Region südlich von Tasmanien. Durch Zufall beobachtete Rob Massom vom Antarctic Cooperative Research Centre nun, wie sich das Ende des Ninnis-Gletschers ablöste und zu bedeutsamen Veränderungen für die Umwelt führte (NASA Earth Observatory vom 1. Dezember 2000).

Massom stieß bei der routinemäßigen Auswertung von Satellitenbildern auf das seltene, wenngleich nicht unerwartete Ereignis. Der Ninnis-Gletscher befindet sich nämlich schon seit langem auf dem Rückzug. Seit seiner ersten Kartierung im Jahr 1912 ist der Gletscher um rund zwei Drittel seiner Fläche geschrumpft, der größte Anteil davon seit 1980. Dennoch zögert Massom noch, den Abbruch auf Veränderungen des globalen Klimas zurückzuführen. Die Ablösung der Eisberge sei eher die Folge einer Reihe von natürlichen Prozessen, deren Ursachen indes im Dunkeln liegen. Andere Forscher sind sich da freilich sicherer. Als an der Ostseite der antarktischen Halbinsel kürzlich der Larsen-Schelf zerbrach, hieß es in einer gemeinsamen Studie des National Snow and Ice Data Center mit dem British Antarctic Survey, dass die Ursache vermutlich mit den höheren Durchschnittstemperaturen zusammenhängt. Sie sind in dieser Region seit den 40er Jahren um rund 2,5 Grad Celsius angestiegen.

Allerdings rechnet auch Massom damit, dass die veränderte Küstenlinie in diesem Bereich vermutlich bedeutsame Auswirkungen auf die Umwelt hat. Derlei schwimmende Eiszungen gewährleisten nämlich ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen stationären Eisflächen, Eisbergen und offenem Wasser. Pinguine und Seehunde sind beispielsweise auf Eisschollen angewiesen, welche ihnen inmitten ihrer Jagdgründe als Rastplätze dienen. Ihre Zahl könnte durch die veränderten Strömungsverhältnisse in dieser Region zukünftig stark zurückgehen.

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