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Atmosphärenchemie: Trichlorethan-Emissionen in Europa doch geringer als befürchtet

Messstation am Jungfraujoch
In Europa werden pro Jahr etwa 300 bis 3400 Tonnen Trichlorethan freigesetzt, berichtet ein internationales Forscherteam um Stefan Reimann von der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt im schweizerischen Dübendorf. Dieser Wert liegt deutlich unter Daten aus dem Jahr 2000, als Forscher auf einen jährlichen Ausstoß von 20 000 Tonnen gekommen waren, aber immer noch über Schätzungen anhand der Verkaufszahlen von Trichlorethan-Produkten. Wegen seiner ozonschädigenden Wirkung war der Einsatz der Substanz, die als Lösungs- und Reinigungsmittel in der Industrie verbreitet eingesetzt wurde, ab 1996 durch das Montrealer Protokoll verboten.

Trichlorethan am Jungfraujoch | Die Trichlorethan-Konzentrationen am Jungfraujoch zeigen eine ständige Abnahme auf Grund des offiziellen Verbotes der ozonschädigenden Substanz.
Die Forscher haben langjährige Messreihen von Stationen am Jungfraujoch und in Mace Head an der Westküste Irlands ausgewertet. Sie vermuten, dass die hohen Werte von 2000 auf ungewöhnliche Bedingungen zur Zeit der damals nur viertägigen Messkampagne zurückzuführen sind. Als möglichen Grund für die zwar niedrigen, aber die Schätzungen trotzdem überschreitenden Werte nennen die Wissenschaftler den illegalen Gebrauch kleinerer Mengen aus gehorteten Lagern oder Emissionen aus Abfalldeponien.

Die Trichlorethan-Gehalte sind außerdem interessant, weil sich aus ihnen die Konzentrationen von Hydroxyl-Radikalen in der Luft abschätzen lassen. Diese reaktionsfreudigen Verbindungen gelten als atmosphärisches "Reinigungspersonal", weil sie mit vielen luftverschmutzenden Substanzen reagieren.

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