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Psychologie: Trickreich

Warum fallen wir nur immer wieder darauf herein? Zappelt das Kaninchen im vermeintlich leeren Hut oder die hübsche Assistentin in der mit Säbeln gespickten Kiste, trauen selbst eingeschworene Realisten ihren Augen nicht mehr. Lassen Sie sich etwa auch so leicht täuschen?
ZaubereiLaden...
Um ihre Zuschauer zu verblüffen, brauchen gewiefte Illusionisten oft nicht mehr als ein paar Hilfsmittel – und die Fähigkeit, die Aufmerksamkeit des Publikums geschickt zu manipulieren. Doch Halt! Bevor Sie weiterlesen, klicken Sie erst einmal links in der Spalte "Medien" auf das Video namens Trick Nr. 1 und schauen sich eine kleine Zaubervorführung an.

Haben Sie herausbekommen, wie der Trick funktioniert? Eigentlich ganz einfach: Wenn der Zauberer den Ball zum dritten Mal hochwirft und dabei verschwinden lässt, dann hat ihn offensichtlich jemand außerhalb des Kamerabildes aufgefangen.

Sollten Sie dieser Erklärung zuneigen, befänden Sie sich zumindest in guter Gesellschaft. Immerhin berichteten 68 Prozent der Versuchspersonen in einem Experiment von Gustav Kuhn und Michael Land von den Universitäten von Durham und Sussex, sie hätten gesehen, wie der Ball in die Höhe steigt und daraufhin nicht mehr auftaucht. Die meist geäußerte Erklärung dafür war der versteckte zweite Mann, der den Ball fängt.

Tatsächlich hat der Ball beim dritten "Wurf" nie die Hand verlassen. Durch Körperhaltung und Blickrichtung macht der Magier seine Zuschauer aber genau dies glauben. Fehlte die entsprechende Mimik und Gestik – wie in einem Kontrollexperiment der Autoren (Video Trick Nr. 2) –, war es um die Illusion geschehen. Solche "sozialen Signale", wie es die Autoren nennen, spielen bei der Wahrnehmung offenbar eine größere Rolle als das, was wir tatsächlich sehen. Kommt dann noch eine unbewusste Erwartungshaltung dazu, blendet das Gehirn die widersprechenden Informationen der Augen einfach aus.

Denn natürlich waren fast alle Versuchspersonen davon überzeugt, nicht einen Augenblick lang den Ball aus den Augen gelassen zu haben. Zu Recht? Ja und nein, stellten die Wissenschaftler fest, die mit einem speziellen Gerät die Blickbewegungen der Probanden nachvollzogen. Als der Ball noch vorhanden war, folgten die Versuchspersonen ihm gelegentlich mit den Augen und schauten dabei vor allem auf den höchsten Punkt seiner Flugbahn. Viel häufiger aber fixierten sie Hände und Gesicht des Zauberers, offenbar um daraus Anzeichen über die Position des Balls ableiten zu können.

Am meisten überraschte die Forscher jedoch, dass keine der Versuchspersonen an die Stelle schaute, an der sie den verschwundenen Ball gesehen haben wollte. Im Gegensatz zu seinem Besitzer ließ sich das Auge – genauer gesagt, das System zur Kontrolle der Augenmuskulatur – nicht durch die Signale des Zauberers täuschen: Als kein Ball mehr im Blickfeld war, folgte es nicht dessen imaginärer Flugbahn, sondern starrte unverwandt auf das Gesicht des Zauberers.

Kuhn und Land sehen darin eine Bestätigung der These, dass optische Eindrücke zwei unterschiedliche Routen nehmen, je nachdem, ob sie für die Steuerung von Bewegungen oder für eigentliche Sinneswahrnehmung verwendet werden. Während erstere sich einzig auf die Information vom Auge verlässt und diese Schritt für Schritt interpretiert, entsteht bewusste Wahrnehmung im Zusammenspiel von Erwartung, Erfahrung und Gesehenem.

Machen Sie sich doch den Spaß und schauen sich das Video Trick Nr. 1 nun ein zweites Mal an. Dann werden Sie feststellen, wie Ihre neue Erwartungshaltung die Wahrnehmung beeinflusst hat. So leicht sollte man Sie mit diesem Trick jedenfalls nicht mehr reinlegen können!
22.11.2006

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 22.11.2006

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