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News: Trilobiten mit Untermietern?

Trilobiten gehörten zu den erfolgreichsten Gliederfüßern, die jemals die Ozeane bewohnten. Bis zu ihrem Aussterben vor 250 Millionen Jahren entwickelten sie eine Vielzahl von Nahrungsstrategien. Kürzlich entdeckte ein englischer Paläontologe Hinweise auf eine symbiotische Lebensgemeinschaft zwischen diesen urzeitlichen Arthropoden und Bakterien, die gemeinsam in einer schwefeligen und sauerstoffarmen Umgebung lebten. Er vermutet, dass die Trilobiten in ihren stark vergrößerten Kiemen Bakterien züchteten. Sollte sich die Entdeckung bestätigen, wäre dies die früheste bekannte Symbiose.
Bis zu ihrem Aussterben im Perm, vor etwa 250 Millionen Jahren, zählten die Trilobiten zu den erfolgreichsten Arthropoden, die jemals durch die Ozeane krabbelten. Das Kennzeichen dieser Gliederfüßer ist ein Rückenpanzer aus Chitin, der ihren Körper in drei Teile gliedert. Trilobiten erreichten eine Körpergröße von einigen Millimetern bis zu einem Meter. Seit ihrem Erscheinen im frühen Kambrium (vor 544 bis 505 Millionen Jahren) entwickelten sie über eine Zeitspanne von knapp 300 Millionen Jahren eine Vielzahl von Strategien zum Nahrungserwerb. Einige Arten durchstreiften die offene See und schnappten mit ihren raspelartigen Kiefern nach Beute, während andere den Meeresboden von verwesendem Fleisch reinigten oder Nahrungspartikel aus dem Bodenschlamm filtrierten.

Richard Fortey vom The Natural History Museum in London entdeckte in dieser Gruppe nun sogar Hinweise auf eine symbiotische Lebensweise (Proceedings of the National Academy of Sciences vom 6. Juni 2000). Schon länger rätselte er darüber, wie Trilobiten aus der Familie der Olenidae vor etwa 505 bis 445 Millionen Jahren in schwefelreichem und sauerstoffarmen Schlamm der Meere lebten. Dann jedoch bemerkte er, dass Oleniden im Unterschied zu anderen Trilobiten einen sehr flachen und breiten Körper besitzen. Zudem ist das Hypostom, ein Teil der Mundwerkzeuge, nur als winzige Platte ausgebildet. Andere Trilobiten besitzen dagegen eine deutlich größere Version dieser Struktur, mit der sie Beutetiere besser fangen oder Nahrungsschlamm in den Rachen schaufeln konnten. Aus dieser Beobachtung schließt Fortey, dass die Oleniden eine sehr komfortable Nahrungsquelle besaßen, indem sie die Kiemenäste auf ihrer stark verbreiteten Bauchseite als geräumige Anbaufläche für Bakterien nutzten. Möglicherweise schluckten einige dieser Trilobiten von Zeit zu Zeit einen Teil ihrer selbstangebauten Bakterien während andere die von den Symbionten abgesonderten Nährstoffe absorbierten. Fortey räumt jedoch ein, dass Symbiosen generell nur schwer nachweisbar sind.

Die frühesten Belege symbiotischer Lebensgemeinschaften kennt man bisher von Riffen aus dem Ordovizium vor etwa 425 Millionen Jahren. Forteys Entdeckung wäre somit ein Nachweis für eine noch frühere Symbiose. In ähnlicher Weise wie die von Fortey untersuchten Trilobiten ernähren sich heute einige Arten von Garnelen und Muscheln. Nigel Hughes, Paläontologe und Trilobitenforscher an der University of California in Riverside kommentierte Forteys Entdeckung mit den Worten: "Es ist ein witziger, spekulativer Artikel, und Fortey hat ein Faible bei solchen Dingen recht zu behalten". Hughes erwartet, dass diese Entdeckung zur weiteren Erforschung der urzeitlichen und lebensfeindlichen Umwelt anspornen wird.

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