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Down-Syndrom: Trisomie-21 möglicherweise durch Medikamente behandelbar

Ein Ginkgo-Inhaltsstoff sowie ein wegen starker Nebenwirkungen vor Jahrzehnten vom Markt genommenes Medikament könnte die Auswirkungen des Down-Syndroms möglicherweise lindern. Darauf deuten erste Experimente an Mäusen mit einer Nagervariante der Trisomie 21 hin, deren Gedächtnisfähigkeit sich nach der Behandlung mit Bilobalid oder dem Molekül Pentylentetrazol (PTZ) verbesserte.

Bilobalid kommt natürlich in Ginkgo-Blättern vor, der Wirkstoff PTZ war bereits vor gut hundert Jahren als Medikament gegen Demenz und psychische Störungen eingesetzt, vor einem Vierteljahrhundert aber wegen seiner Nebenwirkungen vom Markt genommen worden. Beide Drogen wirken auf bestimmte hemmende Rezeptoren des Neurotransmitters Gaba im Gehirn.

In den Mausexperimenten zeigte sich, dass Bilobalid und PTZ so offenbar eine zu starke Wirkung des Transmitters aufheben können, die als eine mögliche Ursache der geistigen Beeinträchtigung von Down-Patienten angesehen wird. Mäuse, die einen der Wirkstoffe über zwei bis vier Wochen täglich in der Nahrung aufnahmen, erinnerten sich an zu erlernende Parcours-Wege ähnlich gut wie gesunde Mäuse. Dieser Zustand hielt auch über einen längeren Zeitraum an, schreiben Craig Garner von der Universität Stanford und seine Kollegen.

Falls die Symptome des Down-Syndroms – das durch das Vorhandensein von drei statt zwei Kopien des Chromosoms 21 in allen Körperzellen genetisch bedingt ist –, tatsächlich durch ein Medikament zu lindern sein sollte, würde dies völlig unverhoffte Behandlungsmöglichkeiten eröffnen. In Deutschland ist etwa eines von 500 Neugeborenen von der Chromosomenerkrankung betroffen. Die meisten an Trisomie 21 leidenden Menschen zeigen Störungen ihrer geistigen Entwicklung.

Ob ein wirksames Medikament für Patienten gefunden werden kann, ist aber gegenwärtig unklar. Zum einen seien Erkenntnisse aus Mausexperimenten nicht immer auf den Menschen übertragbar, zum anderen müsste das Risiko der bekannten Nebenwirkungen berücksichtigt werden. In hoher Dosierung kann PTZ Krampfanfälle auslösen, was 1982 schließlich dazu geführt hatte, den Wirkstoff aus dem Verkehr zu ziehen. (jo)
27.02.2007

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 27.02.2007

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