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Archäologie: Trophäenschädel eines kriegerischen Andenvolks gefunden

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Als Trophäe aufbereiteter Schädel | Schädel wie diese wurden bei den Wari möglicherweise öffentlich ausgestellt oder waren Bestandteil von Zeremonien. Die goldenen Befestigungen sind nur sehr undeutlich zu erkennen.
Bei Ausgrabungen in Cotocotuyoc nahe der peruanischen Stadt Cuzco entdeckten Archäologen um Mary Glowacki vom Florida Bureau of Archaeological Research einen Menschenschädel, der offenbar als Trophäe benutzt worden war. Den Forschern zufolge gibt der Fund aus einem Friedhof der Wari-Kultur weiteren Aufschluss über die Kriegsführung des vor-inkazeitlichen Volkes. Seine kultische Verwendung legen kreisrunde Löcher an seiner Basis und am Hinterkopf nahe: Vermutlich wurde der Schädel auf einem Pfosten steckend öffentlich ausgestellt und bei besonderen Anlässen um den Hals getragen.

Mit einem Schnitt quer über die Stirn hatten die Wari außerdem die Hirnschale des Toten abgetrennt. Unklar ist, ob dies nur zum Reinigen geschah oder ob die Schale auch als Zeremonialgefäß benutzt wurde. Auf jeden Fall wurde sie später mit Nadeln aus einer Goldlegierung wieder angesetzt. Der Aufwand der Behandlung deute darauf hin, dass der Kopf einer angesehenen Person zur Trophäe verarbeitet worden sei. Aus der Vielzahl von Wunden, die den Schädel bedecken und noch zu Lebzeiten verheilt waren, schließen Glowacki und Kollegen, dass es sich dabei um einen Krieger gehandelt haben muss.

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Löcher im Schädel – Zeichen früher Chirurgie | Gleich zwei Schädelöffnungen überlebte dieser Mann. Solche Operationen kennt man von vielen Kulturen, sie dienten teils medizinischen, teils religiösen Zwecken.
Bei einem anderen, ebenfalls in Cotocotuyoc ausgegrabenen Skelett zeigen sich Spuren chirurgischer Eingriffe: Einem Mann war während zweier Trepanationen Stücke seiner Schädeldecke entnommen worden. Die dadurch entstehenden Wundränder waren jedoch verheilt – offenbar hatte der Patient die Operation überlebt.

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Eine Vase aus Cotocotuyoc | Eine Reihe völlig intakter Vasen förderten die Ausgrabungen in Cotocotuyoc zu Tage. Diese trägt das Abbild zweier Tiere.
Zusammen mit einer Anzahl kürzlich entdeckter, vollständig erhaltener Tongefäße geben die Funde aus dem Huaca-Tal einen Einblick in Aufstieg und Niedergang des kriegerischen Wari-Reiches, das seine Größe vor allem der Unterwerfung zahlreicher Nachbarstaaten verdankte. Offenbar hatte das Andenvolk aus der Vor-Inkazeit die Gegend um das abgelegene Tal während der gesamten Hochblüte seiner Kultur von etwa 600 bis 1100 n.Chr. besiedelt. Gegen Ende scheint es dann der untergehenden Kultur als letzter Rückzugsort gedient zu haben, vermutet Glowacki. (jd)
26.01.2007

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 26.01.2007

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