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News: Tschernobyls anhaltendes Erbe

Selbst 14 Jahre nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl ist die Umwelt immer noch stark radioaktiv belastet - und wird es für die nächsten 50 Jahre wohl auch bleiben. Zu diesem Ergebnis kam eine britisch- niederländische Arbeitsgruppe, als sie Fische aus englischen und norwegischen Seen auf ihren Gehalt an radioaktivem Cäsium untersuchte. Der Befund steht im krassen Widerspruch zu der früheren Annahme, dass die Kontamination von Nahrungsmitteln nicht sehr lange andauern würde.
Nach dem "Super-GAU" in dem ukrainischen Atomkraftwerk Tschernobyl mussten wir unseren Speiseplan stark einschränken: "Kein Salat, keine Pilze, kein Wild!" lautete die Warnung, weil die Belastung der Nahrungsmittel mit radioaktiven Isotopen bedrohlich hoch war. Nach der gängigen Einschätzung sollte das Risiko aber relativ schnell deutlich sinken, weil der Boden die Isotopen zurückhält und nicht mehr an Pflanzen und Tiere abgibt. Dieser "Reinigungs-Effekt" der Natur ist jedoch überschätzt worden, wie jetzt Wissenschaftler um Jim Smith vom Centre for Ecology and Hydrology gezeigt haben (Nature, 11.  Mai 2000).

"Als wir die Dosis an radioaktivem Cäsium in Fischen aus Seen in Cumbria und Norwegen bestimmt haben, fanden wir eine Belastung, die nach wie vor unerwartet hoch ist", so Smith. "Zwar verringerte sich die Konzentration an radioaktivem Cäsium in Wasser und in den meisten Nahrungsmitteln in den ersten fünf Jahren nach Tschernobyl um den Faktor zehn, aber in den letzten Jahren hat sie sich dann nur noch wenig geändert." Die Umwelt befreit sich nicht so schnell von der Radioaktivität, wie Wissenschaftler früher gedacht hatten. Tatsächlich fallen die "Erfolge" von Jahr zu Jahr geringer aus, denn das Cäsium wird im Boden nicht so stark gebunden und gelangt somit doch in die Nahrungskette.

"Solange diese Kontamination auch nur ein geringes Gesundheitsrisiko für den Verbraucher darstellt, gelten die Einschränkungen für bestimmte Nahrungsmittel sowohl in Großbritannien als auch im Gebiet der ehemaligen Sowjetunion länger als ursprünglich vorgesehen", meint Smith. Ursprünglich hatte das Ministry of Agriculture (MAFF) in diesem Zusammenhang gehofft, den Verkauf von Schafen nur für einige Wochen einschränken zu müssen. Die Wirklichkeit sieht allerdings anders aus. Lammfleisch von über 300 Farmen des englischen Hochlands soll bis auf weiteres nicht in den Verkauf gelangen. Das Gleiche gilt für Beeren, Pilze und Fische aus einigen Gegenden der früheren Sowjetunion. Die Einschränkung für Fische aus den dortigen Seen soll für weitere 50 Jahre bestehen bleiben.

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