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News: Tumoren mit Antikörpern aushungern

Vor einigen Jahren schob sich eine sehr elegante Methode zur Bekämpfung von Tumoren in den Fokus der Öffentlichkeit. Bestimmte Faktoren sollten die Blutversorgung der Geschwüre unterbinden und sie somit regelrecht aushungern. Die bislang bekanntesten Mittel, Angiostatin und Endostatin, könnten nun Konkurrenz bekommen, denn auch spezifische Antikörper senkten im Tiermodell das Wachstum neuer Blutgefäße. Von der klinischen Anwendung sind sie allerdings noch weit entfernt.
Je größer ein Tumor wird, desto größer werden auch seine Ansprüche. Sauerstoff und Nährstoffe müssen nun in so großen Mengen heran transportiert werden, dass eine eigene Versorgungsleitung unumgänglich ist. Um sich dessen zu versichern, veranlasst das Geschwür das Einwachsen neuer Blutgefäße durch den Prozess der Angiogenese. Hunderte kleinster Kapillaren sprossen etwa durch den Vascular Endothelial Growth Factor (VEGF) aus und wachsen auf den Tumor zu.

Doch der Prozess lässt sich stoppen. Am meisten Beachtung fanden in diesem Zusammenhang bisher zwei Faktoren, welche die Angiogenese erfolgreich hemmen können: Angiostatin und Endostatin. Zumindest im Mausmodell zeigte ihr Einsatz oft einen bemerkenswerten Rückgang der Tumoren. Interessanterweise erwies sich Angiostatin als Bruchstück eines viel größeren Proteins, das normalerweise an der Blutgerinnung beteiligt ist. Möglicherweise liegen die Angiogenese-Hemmer verpackt in größeren Proteinen vor und werden erst bei Bedarf freigesetzt.

Doch nun scheint es eine weitere Möglichkeit zu geben, das unerwünschte Wachstum aufzuhalten. Das Team um Tammy Moser vom Medical Center der Duke University richtete hierzu ihre Aufmerksamkeit auf einen Enzymkomplex auf der Oberfläche endothelialer Zellen – also den Zellen, welche die Wände von Gefäßen auskleiden. Eigentlich ist sein Aufenthaltsort etwas ungewöhnlich, denn das Enzym, die ATP-Synthase, befindet sich normalerweise im Zellinneren und speichert dort Energie für wichtige energieverbrauchende Zellprozesse. Aber sie hat offensichtlich noch eine andere Funktion. Nach Untersuchungen des Forschungsteams bindet sie Angiostatin und dient somit als Andockstelle für den Faktor. Entscheidend für eine erfolgreiche Interaktion ist aber scheinbar die Form, in der die ATP-Synthase vorliegt: Nur wenn es aktiv ist, also ATP synthetisiert, verbindet sich das Enzym mit Angiostatin.

Die auf der Außenseite lokalisierte ATP-Synthase scheint somit entscheidend an dem Prozess der Angiogenese beteiligt zu sein. Aufgrund dieser Ergebnisse immunisierten Moser und seine Kollegen Kaninchen mit zwei Untereinheiten der ATP-Synthase, die für die Bindung zuständig sind. Als Antwort auf die Eindringlinge produzierten die Nager spezifische Antikörper, die das Enzym erkennen und daran binden können. Selbst ohne Aufreinigung der so hergestellten Antikörper, sondern alleine der Einsatz des gereinigten Serums, reduzierte die Aktivität der ATP-Synthase um 60 Prozent. Angiostatin reduzierte die Aktivität allerdings um 80 Prozent.

Doch wie hemmt eine verminderte ATP-Synthese die Bildung neuer Blutgefäße? Anscheinend ist der Prozess energieabhängig und je weniger zur Verfügung steht, desto weniger neue Gefäße bilden sich aus. Bislang unveröffentlichte Studien zeigen nach Angaben der Forscher auch im Tiermodell eine Verminderung des Wachstums. Aber bis der Antikörper einen Weg in die klinische Forschung findet – wenn überhaupt –, wird sicherlich noch viel Zeit vergehen.

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