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Krebs: Tumoren schaffen sich eigene Blutgefäße

Seit einigen Jahren ruhen große Hoffnungen auf Medikamenten, die Tumoren von der Blutversorgung abschneiden und so aushungern sollen. Doch beobachten Ärzte immer wieder, dass die Wirkstoffe nur eine begrenzte Zeit helfen. Dies könnte auch daran liegen, dass unausgereifte Tumorzellen sich in Blutgefäßzellen umwandeln und so für den Tumor ein eigenes Versorgungssystem legen können.

Zwei Forschergruppen erkannten dies durch Untersuchungen an Glioblastom-Gewebeproben: Das Team von Viviane Tabar vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York [1] wie auch Wissenschaftler um Ruggero De Maria vom Istituto Superiore di Sanità [2] stellten in den die Blutgefäße auskleidenden Zellen dieselben genetischen Abweichungen fest wie im Ursprungstumor. Im Labor isolierten sie eine Gruppe von Zellen, die offenbar ähnlich wie Stammzellen noch die Fähigkeit besitzen, sich in verschieden Zelltypen zu differenzieren – also auch in Blutgefäßzellen. Als sie diese Zellen in Mäuse implantierten, entwickelten sich auch dort Blutgefäße, die offenbar aus diesen verpflanzten Zellen hervorgegangen waren.

Tabar und ihre Kollegen behandelten die Zellkulturen zudem mit Bevacizumab, das unter dem Handelsnamen Avastin in der Krebsbehandlung eingesetzt wird. Als so genannter Angiogenesehemmer behindert er die Neubildung von Blutgefäßen, die Tumoren im Körper anregen, um die eigene Versorgung zu gewährleisten. Das Medikament unterdrückte zwar, dass Vorläufer-Blutgefäßzellen ausreifen, jedoch nicht, dass sich aus den Tumorzellen diese unreifen Gefäßzellen entwickeln. Und da Tumorzellen sich auch genetisch verändern, könnten sie auf diesem Weg die Blockade womöglich schnell umgehen, so Tabar. (af)

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