Klimawandel: Grönlands Tundra brannte schon im Juni zweimal

Zwei Feuer in der eisfreien Tundra Westgrönlands beunruhigen Fachleute. Die Brände am 14. und 17. Juni 2026 fanden deutlich früher statt als auf der arktischen Insel üblich. Die meisten bekannten Brände auf der Insel traten bisher im Juli und August auf. Hintergrund sind die für die Jahreszeit ungewöhnlich warmen und trockenen Bedingungen; der Winter sei schneearm gewesen und es habe seit Mai in der Region nicht mehr nennenswert geregnet, berichtet der »Guardian«. Neben dem frühen Zeitpunkt sind solche Flächenbrände in der grönländischen Tundra allgemein ungewöhnlich – derartige Feuer treten in Westgrönland erst seit knapp zwei Jahrzehnten auf. Dass sie seither regelmäßig brennen, führen Fachleute auf die direkten und indirekten Auswirkungen des Klimawandels zurück. Unklar ist, ob der frühe Zeitpunkt der aktuellen Feuer ebenfalls etwas mit dem Klimawandel zu tun hat. Bisher gab es zu wenig Flächenbrände in der Tundra, um Veränderungen im Lauf der Zeit nachzuweisen.
Direkte Ursache der Brände sei fahrlässiger Umgang mit Feuer gewesen, berichtet die Zeitung unter Berufung auf den Notfallmanager einer der Regionen, in der die Feuer ausbrachen. Eine Studie aus dem Jahr 2022 zeigt jedoch deutlich, welche Rolle das veränderte Klima der Region für die Entstehung von Feuern spielt. Die beteiligten Fachleute durchsuchten Satellitendaten und Medienberichte aus dem Zeitraum von 1995 bis 2020 nach Bränden in Westgrönland. Dabei fanden sie insgesamt 21 Feuer. Keines von ihnen fand vor 2008 statt. Das deutet auf einen starken Einfluss der in der Arktis besonders schnell steigenden Durchschnittstemperaturen hin. Die gleiche Analyse zeigt auch, dass die beiden Feuer im Juni 2026 ungewöhnlich waren: 17 der insgesamt bis 2020 registrierten 21 Brände in der Tundra fanden im Juli und August statt.
Wie aber ein wärmeres Klima in Westgrönland zu mehr Bränden führt, ist bisher nicht vollständig verstanden. Ein wichtiger Faktor ist jedoch das »arctic greening«, das zunehmende Pflanzenwachstum in den hohen Breiten, das sich auf Grönland bemerkbar macht. Seit Mitte der 1990er-Jahre hat sich die mit Pflanzen bedeckte Fläche in der Region verdoppelt und jene der Feuchtgebiete verdreifacht. Für Flächenbrände auf Grönland macht das einen großen Unterschied. Fels und Eis, die dominierenden Landschaftsformen Grönlands, brennen nicht. Die Feuer brauchen Pflanzenmasse als Treibstoff.
Neben der Vegetation spielt der auftauende Permafrost eine Rolle – indem er ebenfalls Brennstoff freigibt. In Senken und Mulden hat sich über Jahrtausende Torf gesammelt, der lange Zeit ab einer Tiefe von 30 Zentimetern gefroren war. Nun brennen die Torfböden in Grönland immer wieder. Mutmaßlich sind die Mechanismen dahinter die gleichen, die in Alaska und Sibirien dazu führen, dass Torfböden der Tundra häufiger brennen. Die inzwischen auftauenden Torfböden trocknen in den warmen und niederschlagsarmen Sommermonaten aus und können dann – wie in anderen arktischen Regionen – Schwelbrände im Boden selbst nähren, die lange vor sich hin glühen. Mehrere Brände 2017, die international Schlagzeilen machten, erwiesen sich später als Torffeuer.
Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.