Direkt zum Inhalt

Übersterblichkeit: Zwei Drittel aller Coronatoten wurden nicht erfasst

Laut einer Analyse der Übersterblichkeit starben etwa dreimal so viele Menschen wie registriert. Das Ergebnis bestätigt frühere Analysen – zwischen manchen Ländern gibt es jedoch enorme Unterschiede.
Friedhofsmitarbeiter in Schutzanzügen sitzen auf mit Blumen geschmückten Gräbern während einer Beerdigung am Friedhof Nossa Senhora Aparecida in Manaus.

Etwa 18 Millionen Menschen starben weltweit an Covid-19 – rund dreimal so viele wie offiziell erfasst. Das ist das Ergebnis einer umfassenden Analyse der Übersterblichkeit in 191 Ländern im Zeitraum vom 1. Januar 2020 bis zum 31. Dezember 2021, die jetzt in der Zeitschrift »Lancet« erschien. Hinter der Studie stehen mehrere Dutzend internationale Fachleute, die sich als »COVID-19 Excess Mortality Collaborators« bezeichnen. Die Gruppe kommt zu dem Ergebnis, dass die Übersterblichkeit weltweit 120 zusätzliche Tote pro 100 000 Personen betrug. Das ist das Dreifache der registrierten Sterblichkeit durch Covid-19.

Allerdings weisen die Fachleute darauf hin, dass bisher nicht bekannt ist, welcher Anteil tatsächlich an der Erkrankung starb und wie viel davon auf andere Faktoren wie überlastete Gesundheitssysteme zurückgeht. Außerdem schwanken sowohl die Übersterblichkeit als auch die Differenz zwischen registrierter und wahrer Sterblichkeit stark zwischen verschiedenen Staaten. So verzeichnete Australien über die Pandemie gesehen etwa 18 000 Tote weniger als in normalen Jahren, Island verzeichnete eine »Untersterblichkeit« von nahezu 50 pro 100 000.

Dagegen starben in den USA deutlich über eine Million Menschen, und in mehreren Ländern, zum Beispiel Bulgarien und Bolivien, überschritt die Übersterblichkeit 500 zusätzliche Tote pro 100 000 Personen. Besonders groß ist die Differenz zwischen gemeldeten Todesfällen und Übersterblichkeit im subsaharischen Afrika, in Ozeanien und Südasien, wo die Übersterblichkeit die gemeldeten Zahlen jeweils um das Zehnfache und mehr übersteigt.

Ein Ausreißer unter den reichsten Staaten ist Japan, wo die Analyse auf sechsmal so viele Tote kommt wie offiziell gemeldet. Deutschland liegt mit einer Übersterblichkeit von 120 pro 100 000 Menschen genau im globalen Durchschnitt, die demnach rund 200 000 Pandemietoten entsprechen knapp dem Doppelten der registrierten Anzahl. Die Analyse der »COVID-19 Excess Mortality Collaborators« ist die erste regulär vor der Veröffentlichung unabhängig geprüfte Untersuchung. Die Ergebnisse decken sich ungefähr mit den Resultaten früherer Analysen, zum Beispiel Modellen der Zeitschrift »The Economist« und dem Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME).

Schreiben Sie uns!

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte