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News: Ultraschall-Untersuchungen bei Gehirntumoren

Die Ultraschalltechnik bietet bei der Darstellung von Hirntumoren eine Reihe von Vorteilen. Doch erstaunlicherweise kommt sie im Rahmen von Hirntumor-Operationen und bei der Nachsorge operierter Hirntumor-Patienten noch selten zum Einsatz.
Finanziell gefördert von der Deutschen Krebshilfe, hat eine Arbeitsgruppe an der Universität Würzburg systematisch Vor- und Nachteile der Ultraschalldiagnostik bei Gehirntumoren untersucht. Die Ergebnisse wurden am Montag, dem 20. April 1998, bei einer Pressekonferenz in Würzburg vorgestellt.

Ultraschall-Untersuchungen haben sich in weiten Bereichen der Medizin als wichtige Ergänzung, zum Teil sogar als Ersatz für Röntgenuntersuchungen und Schnittbildverfahren – dazu gehören zum Beispiel die Computer-Tomographie (CT) oder die Magnetresonanz-Tomographie (MRT) – durchgesetzt.

Dank technischer Neuerungen hat sich die Qualität der Ultraschallsysteme in den vergangenen Jahren wesentlich verbessert. So liefern die modernen Systeme nicht nur hochaufgelöste Bilder, sondern auch eine Reihe von wichtigen Zusatzinformationen, zum Beispiel über Blutgefäße und die Durchblutung der untersuchten Organe.

An der Universität Würzburg widmet sich eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe der Aufgabe, die Wertigkeit der Ultraschalldiagnostik bei Gehirntumoren im Vergleich zu den herkömmlichen Schnittbildverfahren CT und MRT in einer klinischen Studie systematisch zu untersuchen. Die Mitglieder der Arbeitsgruppe kommen von der Neurologischen und der Neurochirurgischen Klinik sowie der Abteilung für Pädiatrische Neurochirurgie und arbeiten unter Leitung von PD Dr. Georg Becker und Prof. Dr. Andreas Krone. Die beiden Wissenschaftler stellten bei der Pressekonferenz die wesentlichen Ergebnisse der Studie vor:

Moderne Ultraschallsysteme bieten als allgemein verfügbare und vergleichsweise leicht zu handhabende Systeme dem Neurochirurgen während der Operation die Möglichkeit, auch tiefliegende, an der Oberfläche nicht erkennbare Gehirntumoren sicher in ihrer Ausdehnung darzustellen. Zudem ermöglichen sie es festzulegen, welcher Zugangsweg zum Tumor für das gesunde Gewebe am schonendsten ist.

Sie ermöglichen es zu kontrollieren, wie vollständig ein ins umliegende Gewebe einwachsender bösartiger Tumor entfernt wurde. Somit gestatten die Ultraschallsysteme eine radikalere und trotzdem sicherere Entfernung von Tumorresten, als dies allein nach dem mikroskopischen Eindruck des Operateurs möglich wäre.

Die hohe Verläßlichkeit der Ultraschalldarstellung wurde an mittlerweile über 70 Patienten belegt. Dabei entnahmen die Neurochirurgen systematisch Proben von Tumorresten und ihren Randbereichen und untersuchten diese anschließend feingeweblich.

Dabei erwies es sich als besonderer Vorteil der Ultraschalltechnik, daß auch solche Tumoren und Tumoranteile zur Darstellung kommen, die in anderen Schnittbildverfahren nur schlecht vom umgebenden Hirngewebe abgegrenzt werden können, weil sie kein Kontrastmittel aufnehmen.

Diese während der Operation ermittelten Vorteile des Ultraschalls wurden im weiteren Verlauf bei Untersuchungen bestätigt, welche durch die geschlossene Schädeldecke hinweg geführt wurden. Eine derartige Ultraschalluntersuchung ist bei etwa 85 Prozent der Patienten möglich und wird in der Würzburger Neurochirurgischen Klinik mittlerweile als wertvolle, ergänzende bildgebende Diagnostik bei der Nachsorge von Hirntumorpatienten eingesetzt.

Die Ultraschalltechnik kann jedoch die herkömmlichen Schnittbildverfahren (CT, MRT) in der Routinediagnostik außerhalb des Operationssaales nicht ersetzen. Allerdings stellen die an der Universität Würzburg erhobenen Befunde die Anwendung technisch aufwendiger und kostenintensiver Computer- und Kernspintomographen im Operationssaal in Frage.

In einer ebenfalls von der Deutschen Krebshilfe geförderten Nachfolgestudie erforscht die interdisziplinäre Arbeitsgruppe derzeit, inwieweit die Anwendung von neuentwickelten eigenen Ultraschall-Kontrastmitteln in Verbindung mit der sogenannten Duplexsonographie (diese Ultraschalltechnik ermöglicht eine zusätzliche Darstellung von Flußphänomenen in Blutgefäßen, die farbcodiert in das schwarz-weiße Schnittbild projiziert werden) die Aussagekraft der Ultraschall-Diagnostik noch weiter verbessern kann. Das gilt insbesondere für die bislang in allen Bildgebungsverfahren noch unbefriedigende Abgrenzung zwischen nachgewachsenem Tumorgewebe und den Folgen einer Strahlenbehandlung.

Für diese Untersuchungen wird erstmals Ultraschall-Kontrastmittel während der Operation eingesetzt. Die Befunde werden wiederum im Vergleich mit feingeweblichen Untersuchungen gezielt entnommener Proben sowie mit einer vor und nach der Operation durchgeführten speziellen Technik, der sogenannten Kernspin-Spektroskopie, abgesichert.

Um dabei eine bessere Vergleichbarkeit der verschiedenen Bildgebungsverfahren zu gewährleisten, kommt mittlerweile ein integriertes infrarot-gesteuertes Navigationssystem zur Anwendung, das durch automatische, rechnergestützte Erkennung der Schallkopfposition eine direkte Überlagerung und damit Vergleichbarkeit von CT-, Kernspin- und Ultraschall-Schichtbildern erlaubt.

Wie nötig solche Untersuchungen sind, machte bei der Pressekonferenz auch der Leiter des Bereichs Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Deutschen Krebshilfe, Malte Wittwer, deutlich. Er wies darauf hin, daß in Deutschland jedes Jahr etwa 8 000 Menschen an einem Hirntumor erkranken. 1996 seien rund 5 000 Menschen an den Folgen dieses Leidens gestorben.

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