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Stoffwechselphysiologie: Umstrittenes "Schlankheitshormon" nachgewiesen

Seit Jahren streiten Forscher, ob das Hormon Irisin überhaupt existiert. Das wohl schon - aber ist es wirklich nützlich?
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Um das "Schlankheitshormon" Irisin streiten Forscher seit seiner Entdeckung 2012 – und jahrelang sogar darüber, ob es tatsächlich existiert oder nur ein Messfehler im Labor war. Zumindest das widerlegen nun die Entdecker des Irisins, Forscher um Bruce Spiegelman von der Harvard Medical School in Boston: In ihrer neuen Arbeit weisen sie das Hormon mit der Massenspektrometrie sicher nach.

Die Wissenschaftler um Spiegelman hatten nach ihrem Fund zunächst die Theorie entwickelt, dass durch körperliche Aktivität Irisin verstärkt hergestellt werden würde und dadurch mehr davon im Blut zirkuliere. Es sorge dann dafür, dass sich ungesundes weißes Fett in hilfreiches beiges Fett umwandelt. Kilos könne man so leichter verlieren, weil Kalorien stärker verbrannt werden.

Auch andere Studien hatten mittlerweile nahegelegt, dass Irisin wohl tatsächlich im Blut des Menschen vorhanden ist, so etwa das Team von Steffen Maak vom Leibniz-Institut für Nutztierbiologie in Dummerstorf. Welche Funktion es haben könnte – wenn es überhaupt eine habe –, sei aber unklar: Die Konzentrationen, die beim Menschen gemessen wurden, sind 10- bis 1000-mal geringer als die Konzentrationen, die in früheren In-vitro-Studien eingesetzt werden mussten, um bei Fettzellen eindeutige Effekte auszulösen. Daher ist die physiologische Bedeutung von Irisin umstritten. Die Bezeichnung "Schlankheitshormon" ist demzufolge derzeit nicht gerechtfertigt.

Die aktuelle Studie zu Irisin sei nun "methodisch sauber und sehr anspruchsvoll", was die Messung des Hormons angeht, wie Steffen Maak schildert. Er betont aber, dass Irisin durch Bewegung nicht verstärkt produziert wird. Denn die Forscher aus Harvard fanden zwar einen statistisch gesicherten Effekt, dieser könne aber nicht interpretiert werden, so Steffen Maak. Die konkrete Wirkung und auch die Menge, die im Blut von Sportlern zirkuliert, bleibt daher umstritten und verlangt weitere Untersuchungen.

Als Spiegelmans Team Irisin vor drei Jahren entdeckt hat, war die Studie von verschiedenen Seiten kritisiert worden. So hieß es etwa, dass das Team mit seinem Antikörpernachweis unbeabsichtigt nicht nur Irisin, sondern auch andere Proteine detektiert hätte. Diese Interpretation hatte zu vernehmbaren Diskussionen in der Forschergemeinde geführt.

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