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Toxikologie: Umweltbelastung lässt Vögel lauter singen

Europäische Stare in Amerika
Männliche Stare (Sturnus vulgaris), die mit Giften belastet sind, singen lauter und länger als unbelastete Artgenossen und entwickeln komplexere Strophen. Damit locken sie verstärkt Weibchen an, obwohl ihr Immunsystem geschwächt ist und sie deshalb eigentlich einen evolutionären Nachteil haben sollten.

Entdeckt haben Katherine Buchanan von der Universität Cardiff und ihre Kollegen diesen Zusammenhang an Tieren, die in der Nähe einer englischen Kläranlage ihre Nahrung suchen. Viele der bevorzugt verzehrten Regenwürmer auf dem Testgelände wiesen erhöhte Werte an künstlichem und natürlichem Östrogen und anderen Hormonen auf.

Nehmen die Vögel diese Stoffe auf, beeinflussen sie Wachstum und Funktion einzelner Hirnregionen, wie die Forscher schließlich mit Hilfe von Labortests nachwiesen. So vergrößerten Stare unter Hormoneinfluss ihr Sangeszentrum im Denkorgan, das so genannte High Vocal Centre (HVC). Zugleich sorgten die Östrogene dafür, dass sich das Hirn vermännlichte und im HVC mehr Östrogen-Rezeptoren auftraten.

Die verbesserte Sangesleistung hat allerdings ihren Preis, denn die Hormonbelastung schwächte auch das Immunsystem der betroffenen Stare und damit deren Gesundheit. Trotzdem bevorzugen potenzielle Partnerinnen diese Tiere, weil ihr Gesang – ein wichtiges Kriterium bei der Balz – eindrucksvoller ist und über die Kontamination hinwegtäuscht. Buchanan und ihre Kollegen fürchten daher Folgen für die Gesamtpopulation der von Hormonschwemmen betroffenen Arten, da die natürlich Auslese außer Kraft gesetzt wird. (dl)

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