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Strohhalme: Essbare Alternative aus Bakterienzellulose

Trinkhalme aus Plastik haben zu Recht keinen guten Ruf. Denn sie sind gesundheits- und umweltschädlich. Zufrieden stellende Alternativen gibt es bisher nicht. Das könnte sich nun ändern.
Bunte Trinkhalme aus Papier

Trinkhalme aus Einwegplastik sind seit Juli 2021 EU-weit verboten. Zu Recht – denn die enthaltenden Weichmacher sind nicht nur ungesund, die Halme geben zudem Mikroplastik ab und verschmutzen damit die Weltmeere. Man hat sie sogar in Nasenlöchern von Schildkröten und im Magen-Darm-Trakt anderer Meereslebewesen gefunden. Da der Mensch aber auf keinen Fall darauf verzichten möchte, schmackhafte Flüssigkeiten durch dünne Röhren zu schlürfen, müssen dringend Alternativen her.

Und der Erfindungsreichtum ist groß: In der ein oder anderen Bar findet man sogar eine trockene, lange Nudel in seinem Glas, aus der sich der Cocktail dann umweltfreundlich einverleiben lässt. Leider neigen die Teigwaren dazu, auf Dauer aufzuweichen, pappig und unappetitlich zu werden. Doch auch die anderen Alternativen bringen es nicht so recht. Strohhalme aus Papier knicken ein, wenn sie nass sind und solche aus Metall können die Zähne beschädigen.

Alginat verschließt die Poren der Zellulose und dient als Klebstoff

Doch jetzt gibt es eine Lösung in Form von essbaren Trinkhalmen, die von Bakterien erzeugt werden. Ein Team um Shu-Hong Yu von der University of Science and Technology of China hat Strohhalme aus bakterieller Zellulose hergestellt . Diese ähnelt der pflanzlichen Zellulose, hat aber eine dichtere Molekularstruktur und wird bereits in der Kosmetik-, Lebensmittel- oder Textilindustrie eingesetzt. Synthetisiert wird sie von einigen Bakterienarten (wie etwa Acetobacter), wenn sie sich von Zuckern ernähren.

Die Forschenden sammelten die Bakterienzellulose und trockneten sie an der Luft. Anschließend behandelten sie die Fasern mit Natriumalginat, einem in Algen vorkommenden Kohlenhydrat. Dies sollte die Poren der Zellulose verschließen und verhindern, dass sie Wasser aufnimmt. Das Alginat hat zudem den Vorteil, dass es an sich selbst haftet. Die Forscher konnten so die Zelluloseblätter zu Strohhalmen aufrollen, ohne dass Klebstoff erforderlich war.

Günstig in der Herstellung

Die Wissenschaftler stellten fest, dass die Bakterientrinkhalme auf Grund des 3-D-Nanofasernetzwerks und der starken Verbindung zwischen den einzelnen Schichten in jeder Hinsicht stärker als Papierstrohhalme waren und fast dreimal so biegefest wie Papier- oder Plastikstrohhalme. Außerdem werden sie viel schneller biologisch abgebaut. Da sowohl bakterielle Zellulose als auch Natriumalginat in Lebensmitteln verwendet werden, sind die Strohhalme sogar essbar. Dennoch raten die Autoren davon ab. »Sie sind zwar essbar, aber nicht speziell zum Verzehr gedacht«, sagt Qing-Fang Guan, der an der Studie beteiligt war.

Es gibt zwar auch andere biologisch abbaubare Strohhalme, viele von ihnen sind aber teuer. Nicht so diese essbaren Strohhalme, denn die Produktion von Zellulose durch Bakterien bedeutet fast keine Arbeitskosten. Die Forscher arbeiten nun an weiteren Möglichkeiten, bakterielle Zellulose als Ersatz für biologisch nicht abbaubare Einwegprodukte zu verwenden.

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