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Umweltverschmutzung: Auch das Mittelmeer ist voller Plastik

Mare nostrum – unser Meer. So nennen wir liebevoll das Mittelmeer. Doch pfleglich gehen wir damit nicht um, wie eine Studie zeigt. Auch Müll ist ein großes Problem.
Plastikabfälle an einem Mittelmeerstrand

Zu den gängigen Bestandteilen der Meere heutzutage gehört Plastikmüll: schwimmend oder bereits am Meeresboden liegend. Auch das Mittelmeer kann sich diesem Trend nicht entziehen. Kostas Tsiaras vom Hellenic Centre for Marine Research und sein Team haben kalkuliert, wie viel Kunststoff durchschnittlich ins Mittelmeer eingetragen wird und welche Mengen davon ungefähr im Meer schwimmen. Ihre Ergebnisse stellen sie in den » Frontiers in Marine Science« vor.

Im Mittel treiben demnach ständig mehr als 3750 Tonnen Plastikabfall im Wasser, während der jährliche Eintrag rund 17 600 Tonnen beträgt. Fast 80 Prozent landen also rasch wieder an Land, wo sie die Strände verschmutzen, während der Rest auf See treibt und letztlich absinkt oder von Tieren gefressen wird. Für ihre Studie hatten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Plastik von den Quellen an Land wie Städten oder Flüssen verfolgt und beobachtet, wie diese von Strömungen oder Zerfall beeinflusst werden. Eine von Tsiaras und Co entwickelte Simulation modellierte dann die Entwicklung über einen Zeitraum von mehreren Jahren zwischen 2010 und 2017.

Dadurch konnte die Arbeitsgruppe einige Brennpunkte identifizieren, an denen besonders viel Kunststoffmüll treibt, absinkt oder angeschwemmt wird. 2019 etwa gab es Berichte über eine große Plastikinsel, die im Meer zwischen Korsika und Elba trieb. Weitere Schwerpunkte für dieses so genannte Makroplastik aus Tüten, Styroporplatten und Alltagsgegenständen finden sich zudem bevorzugt im Umfeld der Mündungsgebiete von Flüssen vor Algerien, Albanien und der Türkei, im Umfeld von Metropolen und an den dicht besiedelten Küsten Italiens, Spaniens und Frankreichs. Mikroplastik wiederum dümpelte ebenfalls im Einflussbereich von großen Städten mit Kläranlagen herum. Zerkleinerte Kunststoffabfälle, die noch nicht unter Mikroplastik fallen, wiesen die Forscher vor allem in Regionen nach, in denen Wasser ungeklärt ins Meer geleitet wird, etwa in Teilen Griechenlands und der Türkei.

Das Mittelmeer gilt als eines der von Plastikmüll relativ stark betroffenen Meere: Die Küsten sind dicht besiedelt und teils stark industrialisiert. Jährlich suchen Millionen Menschen die Strände zum Baden auf. Und die enge Straße von Gibraltar erlaubt nur einen mengenmäßig begrenzten Austausch mit dem Atlantik. Der Müll kann sich also im Gebiet anreichern. Die Menge an im Wasser treibendem Kunststoff mag auf den ersten Blick klein aussehen, doch sind die Polymere leichtgewichtig, so dass die Stückzahl sehr groß ist. Darin enthalten ist außerdem nicht die Menge, die bereits in die Tiefsee abgesunken ist.

Weltweit gehen die Schätzungen von mindestens 270 000 Tonnen aus, die aktiv im Meer schwimmen: in Form von 5,25 Billiarden Einzelteilen in unterschiedlicher Größe. Mikro- und Makroplastik hat mittlerweile alle Regionen der Erde erreicht: von der Tiefsee über entlegene Inseln bis zum Eis der Arktis.

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