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Umweltverschmutzung: Fischerei »füttert« den pazifischen Müllstrudel

Der große pazifische Müllstrudel ist eines der Symbole für unseren Umgang mit der Umwelt. Der meiste Abfall stammt dabei von wenigen Verursachern.
Abfälle aus dem Müllstrudel
Diese Abfälle wurden für Stichproben aus dem Müllstrudel im Nordpazifik gefischt.

Im Müllstrudel des nördlichen Pazifiks treiben bis zu 80 000 Tonnen Kunststoffabfälle: Es ist das bekannteste Beispiel für derartige Abfallkreisel, die sich in allen größeren Meeren finden. Ein großer Teil des Mülls im »North Pacific Garbage Patch« scheint allerdings direkt auf See zu entstehen und stammt nicht von Quellen an Land. Das zeigt eine stichprobenartige Auswertung der dort schwimmenden Objekte, die Laurent Lebreton von The Ocean Cleanup und sein Team in »Scientific Reports« vorstellen.

Während einer Messfahrt hatten Lebreton und Co mehr als 570 Kilogramm Müll aus dem Meer gefischt, die sich auf knapp 6100 Objekte mit einer Größe von mehr als fünf Zentimetern verteilten. Wenn möglich versuchte die Arbeitsgruppe, auch die Herkunft der Gegenstände zu ermitteln, sofern darauf noch Beschriftungen zu entziffern waren. Rund ein Drittel der gesammelten Produkte war nicht mehr identifizierbar: Sonne und Salzwasser hatten sie so weit zerstört, dass nicht mehr erkennbar war, worum es sich handelte oder woher der Abfall stammte.

Ein weiteres Viertel hingegen entfiel auf Dinge wie Fischkisten, Abstandshalter aus der Austernzucht oder Aalreusen, die eindeutig der Fischerei zugeordnet werden konnten. Weitere drei Prozent umfassten Schwimmer, Bojen und Netze, die ebenfalls von Fischerbooten stammten. Dabei handelte es sich zudem um relativ schwere Gegenstände: Sie machten ein Fünftel des eingesammelten Gewichts aus.

Bei 232 Objekten konnten Lebreton und Co noch die Herkunft ermitteln: Zwei Drittel des Mülls stammte aus japanischen und chinesischen Quellen, die mit großen Flotten intensiv im Pazifik fischen. Ein knappes Zehntel war südkoreanischen Ursprungs, 6,5 Prozent deuteten auf die USA hin. Danach folgten Taiwan und Kanada. Modellierungen der ozeanischen Strömungen und des Mülltransports legten anschließend nahe, dass es zehnmal wahrscheinlicher ist, dass Abfallstoffe im nordpazifischen Müllstrudel absichtlich oder aus Versehen über Bord gehen als dass sie von Quellen an Land in den Ozean gespült werden und in den Zentralpazifik driften.

Die Erhebung bestätige die Befunde früherer Expeditionen, schreiben die Wissenschaftler. Deren Stichproben hatten ergeben, dass bis zu 75 der Kunststoffe in der Region aus der Fischerei stammten. Die Food and Agriculture Organization (FAO) schätzte schon 2018, dass jährlich 640 000 Tonnen verlorene oder aufgegebene Fischereinetze in die Ozeane gelangen. Damit beeinträchtigen die Fischereiflotten jedoch ihren eigenen Wirtschaftszweig. In diesen so genannten Geisternetzen verheddern sich zahlreiche Meeresbewohner und sterben darin, bis die Netze zu schwer werden und in die Tiefe sinken.

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