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Drogen mit Heilwirkung: »Unbedenkliche« Variante von Ibogain soll beim Entzug helfen

Mittels der Droge Ibogain wollen sich schon einige Menschen aus der Substanzabhängigkeit befreit haben. Doch die Einnahme ist riskant. Nun haben Forscher ein sichereres Analogon entwickelt.
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Das Halluzinogen Ibogain gilt in manchen Internetforen als wahrer Geheimtipp gegen Suchterkrankungen: Schon eine Dosis des braunen Pulvers, das aus der Wurzelrinde des Strauchs Tabernanthe iboga hergestellt wird, soll ausreichen, um das Verlangen etwa nach Nikotin, Heroin oder Medikamenten verpuffen zu lassen. Wissenschaftliche Studien deuten darauf hin, dass die Substanz Entzugserscheinungen mildern und die Stimmung heben kann. In manchen Fällen endet der intensive Drogentrip, den die Betroffenen nach der Einnahme erleben, allerdings tödlich. Viele Forscher sind deshalb skeptisch, was den Drogenentzug mit Ibogain angeht, der in manchen Ländern durch Ausnutzung rechtlicher Grauzonen von Privatpraxen oder Privatpersonen angeboten wird.

Einem Team um Lindsay Cameron von der University of California in Davis ist es nun gelungen, eine unbedenklichere Variante von Ibogain herzustellen, die dennoch die entzugsfördernde Wirkung der Droge zu behalten scheint. Das Analogon, das die Wissenschaftler auf den Namen Tabernanthalog – oder kurz: TBG – tauften, sei im Gegensatz zu Ibogain wasserlöslich und ließe sich in einem Schritt aus seinem natürlichen Vorbild synthetisieren, schreiben Cameron und ihre Kollegen in ihrer Studie, die sie im Fachmagazin »Nature« veröffentlichten. Zudem habe TBG keine halluzinogene Wirkung mehr. Tests in Zellkulturen und Tierversuche zeigten auch, dass die Substanz weniger giftig ist als Ibogain, das im Zweifelsfall zu Herzversagen führen kann.

Ähnlich wie Ibogain kurbelt TBG bei Ratten in den Nervenzellen die Bildung neuer Fortsätze an. Einen solchen Effekt rufen auch andere Drogen wie Ketamin, LSD oder MDMA hervor, denen einzelne Studien inzwischen ebenfalls (psycho-)therapeutisches Potenzial bescheinigen. Verhaltensexperimente mit den Nagern zeigten außerdem, dass TBG süchtigen Tieren hilft, ihren Alkoholkonsum zu reduzieren, und Entzugserscheinungen nach dem Absetzen von Heroin mildert.

Die Forscher glauben, dass ihr Ibogain-Analogon auch bei Erkrankungen wie Ängsten oder Depressionen eine positive Wirkung haben könnte. Insgesamt würden ihre Ergebnisse zeigen, dass es möglich sei, eine psychedelische Droge in eine sichere Substanz mit therapeutischem Potenzial umzuwandeln, schreiben die Autoren. Ob TBG eines Tages auch bei Menschen Anwendung finden wird – und ob es dort die gleiche Wirkung hervorruft –, ist allerdings noch offen.

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