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Grenzen überwinden: Wer wachsen will, sollte seine Komfortzone verlassen

Sich bewusst einer unangenehmen Aufgabe stellen? Das macht praktisch niemand gerne. Doch gerade aus solchen Erfahrungen kann man lernen.
Blick übers Mikrofon in den Zuschauerraum

Unwohlsein kann uns vor gefährlichen Situationen warnen. Es kann aber auch ein gutes Zeichen sein, wie zwei Psychologinnen in der Zeitschrift »Psychological Science« berichten. Aus Experimenten mit mehr als 2000 Versuchspersonen folgern Kaitlin Woolley von der Cornell University und Ayelet Fishbach von der University of Chicago: Unbehagen bedeute meist, dass man Fortschritte macht.

Die Psychologinnen begleiteten für ihre Studie unter anderem Improvisations-Workshops für Anfänger in Chicago. Einem Teil der mehr als 550 Neulinge erklärten sie vorab, es sei Ziel der Übung, dass sie sich dabei unwohl fühlten. Dem anderen Teil sagten sie, das Ziel sei, neue Fähigkeiten zu entwickeln. Die Videoaufnahmen von den Improvisationen wurden später auf Ausdauer und Risikofreude bewertet: Wie sehr gingen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus sich heraus, und wie lange blieben sie freiwillig im Rampenlicht?

Ergebnis: Die Versuchspersonen, die sich gezielt in einen Zustand von Unbehagen versetzen sollten, hielten länger durch und gingen eher an ihre Grenzen. Außerdem waren sie danach eher der Meinung, ihre Ziele erreicht zu haben. »Sie machten mehr Fortschritte und lernten mehr«, berichtet Kaitlin Woolley in einer Pressemitteilung.

In einem anderen Experiment ließen die Forscherinnen rund 250 Versuchspersonen online über emotional belastende Erfahrungen schreiben. Hier teilten sie ebenfalls einer Gruppe vorab mit, dass dabei auftauchende unangenehme Gefühle das Ziel seien und ein Zeichen dafür, dass die Übung wirke. Die Probandinnen und Probanden glaubten daraufhin eher, dass die Übung ihnen geholfen habe, emotional zu wachsen, und sie wollten die Übung eher wiederholen als die Kontrollgruppe.

Zu vergleichbaren Ergebnissen gelangten die Psychologinnen auch in weiteren Experimenten, in denen die Freiwilligen mit unangenehmen Aufgaben konfrontiert waren. Um persönlich und beruflich zu wachsen, müssten sich Menschen in Situationen bringen, die sie fordern, sagt Woolley. »Wenn wir unsere Komfortzone verlassen haben, deuten wir das als Signal, vorsichtig zu sein oder aufzuhören. Aber um erfolgreich zu sein, müssen wir auch mal Risiken eingehen.«

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