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Reflexe: Unbekannte Augenbewegung beim Blinzeln entdeckt

Korrektur für verdrehte Augäpfel: Ein bisher unbekannter Reset-Mechanismus verhindert, dass Information verloren geht.
Auge und Teil des Gesichts einer älteren FrauLaden...

Bei der Untersuchung des Blinzelreflexes stieß eine Wissenschaftlergruppe von der Universität Tübingen auf einen völlig neuen Typ von Augenbewegung. Wie das Team des Neurobiologen Mohammad Khazali berichtet, handelt es sich um eine Rückstellbewegung der Augenmuskeln, die ein leicht verdrehtes Blickfeld korrigiert, nachdem das Auge um ein paar Grad mit einem sich drehenden Objekt mitrotiert ist. Elf Versuchspersonen verfolgten dazu ein sich drehendes Punktmuster mit den Augen – der Augapfel dreht sich dabei ein Stück mit, bevor er ruckartig ein Stück zurückspringt, weil die Muskeln der Bewegung nicht mehr folgen können. Unerwarteterweise zeigte sich, dass der Augapfel beim Blinzeln reflexartig in die Nullposition zurückspringt, ein Vorgang, den die Tübinger Gruppe als BARM (blink-associated resetting movement) bezeichnet.

Eigentlich folgte das Team der Hypothese, dass ein anderer, schon bekannter Reflex parallel zum Blinzeln auftritt – der Optokinetische Nystagmus. So nennt man es, wenn der Blick einem bewegten Objekt folgt und dann mehrere Sprünge in die entgegengesetzte Richtung macht, wenn das Auge nicht mehr folgen kann. Dabei, so die Hypothese, ist der Sehvorgang selbst kurz unterbrochen, so dass es sinnvoll ist, diese Bewegung während des Blinzelns auszuführen. Das Team fand jedoch einen weit stärkeren Effekt: Beim Blinzeln hüpft der Augapfel nicht nur entgegen seiner vorherigen Bewegungsrichtung, sondern wird gleich komplett zurückgesetzt. Das stützt die Vermutung, dass viele Prozesse, die die wahrgenommene Kontinuität des Sichtfelds stören, während des Blinzelns geschehen. So geht wenig Information verloren.

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