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Naturkatastrophen: Und immer wieder bebt die Erde

Südostasien und die Inseln des Pazifiks kommen nicht zur Ruhe: Wieder erschütterten schwere Erdbeben die Republik Indonesien und forderten tausende Opfer, und auch andernorts wackelten die Wände. Dazu droht noch immer der Ausbruch des explosiven Vulkans Merapi auf Java.
Eine schwere Erdbebenserie hat am Wochenende den asiatisch-pazifischen Raum erschüttert. Mehr als 5100 Menschen sind in der indonesischen Metropole Yogyakarta durch ein Beben der Stärke 6,3 und mehr als 470 kleinere Nachbeben ums Leben gekommen. Das Ausmaß der materiellen Schäden an Häusern, Schulen, Kirchen, Moscheen und Geschäften ist auch drei Tage nach dem Beben noch nicht abschätzbar.

Ebenfalls am Sonntag wurden Papua-Neuguinea und der Südseestaat Tonga sowie die Philippinen von Erdbeben heimgesucht. In Tonga lag die Stärke des Bebens bei 6,7 auf der Richterskala, auf den Philippinen bei 5,7. Die beiden Beben im Südpazifik ereigneten sich am Sonntag in nur zehn Minuten Abstand, Meldungen über Tote und Sachschäden dort liegen allerdings nicht vor. Experten gehen aber nicht davon aus, dass diese Erschütterungen im Zusammenhang mit dem Erdbeben von Yogyakarta stehen.

"Zwei Beben dieser Stärke in einer Region in einem so kurzen Zeitabstand sind statistisch ungewöhnlich"
Spiro Spiliopoulos
Mit einiger Zurückhaltung nannte es der Seismologe Spiro Spiliopoulos von GeoScience Australia gegenüber internationalen Medien "statistisch etwas ungewöhnlich", dass sich zwei Beben dieser Stärke in einer Region in einem so kurzen Zeitabstand ereignen. Doch gibt es bislang keine geologisch eindeutigen Beweise, dass sich seismische Aktivitäten über mehrere tausend Kilometer hinweg beeinflussen können. Das Tsunami-Warnzentrum auf Hawaii meldete, das Beben in Tonga habe in fünfzig Kilometern und das in Papua Neuguinea 39 Kilometern Tiefe stattgefunden; beide lösten aber keine Tsunami genannten Flutwellen aus.

Die pazifische Region stellt in diesen Tagen einmal mehr unter Beweis, dass sie die seismologisch und vulkanisch aktivste der Welt ist. Denn in Yogyakarta schauen die Menschen seit gut sechs Wochen mit gespannter Ruhe auf den nur dreißig Kilometer entfernten Vulkan Merapi, dessen Ausbruch nach übereinstimmender Meinung von Vulkanologen nur noch eine Frage der Zeit ist. Sie schränken jedoch ein, dass das Erdbeben vom vergangenen Samstag nicht im Zusammenhang mit der Rastlosigkeit des Merapi stehe. Vielmehr sei es eher mit dem verheerenden Seebeben verbunden, das am Zweiten Weihnachtstag 2004 durch die von ihm ausgelösten Tsunamis Tod und Verwüstung an den Küsten der Anrainerstaaten des Indischen Ozeans gebracht hatte. Alleine im etwa 2300 Kilometer nördlich von Yogyakarta gelegenen indonesischen Aceh starben 131 000 Menschen in der Flutwelle. Bereits damals warnten Experten vor weiteren Beben in der indonesischen Region.

Der Vulkan Merapi ist dagegen nicht die Ursache des jüngsten Bebens. "Tektonische Erdbeben wie das von Yogyakarta werden durch den Aufeinanderprall der Kontinentalplatten ausgelöst", sagte der Vulkanologe Birger Lühr vom GeoForschungsZentrum Potsdam vor acht Tagen in Yogyakarta. Yogyakarta wie Java liegen vielmehr in einer so genannten Subduktionszone. Tief unten in der Erde prallen vor der Küste der Insel die Indisch-Australische Kontinentalplatte und die Eurasische Platte aufeinander, wobei sich erstere mit etwa fünf Zentimeter pro Jahr unter die letztere schiebt. Dabei bauen sich enorme Spannungen auf, die sich in Erdbeben entladen. Gleichzeitig entsteht durch das Schmelzen der unteren Platte Magma, dass an die Oberfläche steigt und dort wiederum Vulkane wie den Merapi aufbaut.

Wissenschaftler am Vulkanforschungszentrum in Yogyakarta warnen jedoch, dass die Aktivität des Merapi durch das Beben einen zusätzlichen Schub erfahren haben könnte. Das sei auch am vulkanischen See Toba nach dem schweren Erdbeben bei der indonesischen Insel Nias im Indischen Ozean vom 28. März des vergangenen Jahres zu beobachten gewesen. Auch das Beben von Nias war eine direkte Folge des weihnachtlichen Seebebens von 2004.

"Der Vulkan Merapi ist nicht die Ursache des jüngsten Bebens, denn tektonische Erdbeben wie das von Yogyakarta werden durch den Aufeinanderprall der Kontinentalplatten ausgelöst"
Birger Lühr
Indonesien, aber auch die Philippinen, Tonga und Papua-Neuguinea gehören zu dem pazifischen "Feuerring", der sich von Chile hinauf nach Alaska und dann im Westen über Japan, Südostasien bis in die Südsee erstreckt. Die Erdbeben vom Wochenende, der drohende Ausbruch des Merapi sowie der Tsunami 2004 sind nur die aktuellsten Beweise seiner hohen Aktivität. Im Pazifischen Feuerring finden sich mehr als vierzig Prozent aller aktiven Vulkane, die als so genannte Schichtvulkane die größte Explosivität besitzen, wie der Ausbruch des Vulkans St. Helen in den USA 1980 oder die Lava- und Schlammlawinen des Pinatubo auf den Philippinen 1996 bewiesen.

Tief eingegraben in das Bewusstsein der Menschheit hat sich auch der Ausbruch des indonesischen Vulkans Krakatau 1883. Der größte Vulkanausbruch der Neuzeit erreichte auf dem Vulkanexplosivitätsindex (VEI) von 0 bis 8 den Wert VEI 6. Die Energie des Ausbruchs dürfte zwischen 200 und 2000 Megatonnen TNT gelegen haben, was etwa 10 000 bis 100 000 Hiroshima-Bomben entspricht, vermuten Experten. Die Explosionsgeräusche konnten noch im australischen Perth gehört werden. Die Luftdruckwellen der Detonation war so gewaltig, so dass sie auch nach sechs Umläufen um die gesamte Erde noch messbar waren.

Während die Toten in Yogyakarta begraben werden, Ärzte und Sanitäter im unermüdlichen Einsatz die über 10 000 Verwundeten in Krankenhäusern und Notlazaretten versorgen, Hilfsorganisationen Medikamente, Lebensmittel, Wasser und Zelte für die 100 000 obdachlos gewordenen Menschen in die Region transportieren und die Menschen mit den Aufräumarbeiten beginnen, lauert schon die nächste Katastrophe: der Ausbruch des Merapi. Niemand kann vorhersagen, wann genau er ausbricht und wie schwer seine Eruption werden wird. Aber eines ist sicher: Auch der Merapi gehört zu den hoch gefährlichen Schichtvulkanen.

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