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News: Unfruchtbar durch Elektrosmog?

In fast jedem Haushalt, in beinahe jedem Zimmer stehen heutzutage Elektrogeräte. Häufig sind die angeschaltet oder befinden sich zumindest im Standby-Modus. Ständig geben sie elektromagnetische Wechselfelder ab, die jede Zelle des menschlichen Körpers durchdringen. Wissenschaftler sind sich uneinig, ob das eine Gefahr für die Gesundheit darstellt oder der Organismus sich problemlos anpasst. Zumindest bei den Eifollikeln von Mäusen stören die Felder wichtige Entwicklungsprozesse, melden italienische Mediziner. Doch was genau dabei passiert, können sie noch nicht erklären.
Bei der Geburt sind die als Folliculus ovaricus primordialis bezeichneten Eifollikeln noch lückenlos. Sie bestehen aus einer Eizelle, die von einer Schicht Epithelzellen umgeben ist. Im Laufe der Entwicklung wird das Epithel mehrschichtig, und ein kleiner Hohlraum entsteht. Schließlich setzt der fertige Graaf-Follikel bei der Ovulation die Eizelle frei, und mit etwas Glück kommt es zu einer Befruchtung.

Diese normale Entwicklung der Follikel kann durch elektromagnetische Felder mit niedriger Frequenz empfindlich gestört werden, meinen nun Sandra Cecconi von der University of L'Aquila und ihre Kollegen: "Unsere Ergebnisse werfen den Verdacht auf, dass [solche] elektromagnetischen Felder die weibliche Fähigkeit zur Reproduktion vermindern könnten, indem sie das Vermögen der Follikel, eine wichtige Entwicklungsstufe zu erreichen, reduzieren."

In ihren Versuchen hatten die Wissenschaftler Mäuse-Follikel, die noch keinen Hohlraum gebildet hatten, über mehrere Tage Feldern von 33 oder 50 Hertz (Hz) ausgesetzt. Von außen betrachtet entwickelten sie sich normal, lediglich die Zellhaufen im 33-Hz-Feld wuchsen etwas langsamer. Die Bildung des Hohlraumes hingegen reagierte empfindlicher auf die Störung: Während von den Kontrollfollikeln ohne Felder nach fünf Tagen rund 80 Prozent zu kleinen Bläschen geworden waren, hatte von den 50-Hz-Proben nur die Hälfte, von den 33-Hz-Follikeln gar nur ein Drittel den Schritt in die nächste Phase vollzogen. Die zurückgebliebenen Eifollikel produzierten zudem weniger Östradiol und hatten Schwierigkeiten, eine Reifeteilung einzuleiten. (Human Reproduction vom 31. Oktober 2000, Volltext).

"Wir wissen noch nicht, warum das passiert," sagt Cecconi, "aber unsere Resultate zeigen an, dass die Felder eventuell den Regulationsmechanismus beeinträchtigen, der die somatischen Zellen im Follikel kontrolliert." Die Eizelle selbst bleibt demnach ungestört.

Ob die Ergbenisse auf den Menschen übertragbar sind, lässt sich nicht so einfach überprüfen. Deshalb wollen die Forscher ihre Arbeit mit Tierzellen intensivieren. "Zu diesem Zeitpunkt haben wir noch keine Ahnung, ob [beim Menschen] das gleiche zu beobachten wäre. Aber es wäre weise, dass zu untersuchen. Doch die Fruchtbarkeit des Menschen ist sehr kompliziert, und viele Faktoren können zusammenkommen, um sie herabzusetzen, und bei jeder Frau sind es meistens andere Faktoren."

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