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Ungewöhnlicher Datenträger: Glas speichert Daten über Jahrtausende

Auf einer Glasplatte lassen sich große Datenmengen über extrem lange Zeiträume speichern. Bekommt unser digitales Zeitalter mit diesem Datenträger ein Langzeitgedächtnis?
Ein Foto zeigt den Datenspeicher aus Glas von Microsoft Azure mit dem Titel "mfs2020". Die Oberfläche ist in mehrere vertikale blaue Streifen unterteilt, die gleichmäßig angeordnet sind. Der Hintergrund ist schwarz, was den Fokus auf die blauen Streifen lenkt.
Diese bierdeckelgroße Glasplatte enthält die Kartendaten eines Flugsimulators.

Was werden die Menschen in ferner Zukunft von uns wissen? Lange Lebensdauern versprechen Bauwerke aus Beton und Metall, nicht aber Magnetbänder und Festplatten, auf denen unser digitales Zeitalter gründet. Ein Team von Microsoft Research hat nun aber einen Datenträger vorgestellt, der riesige Datenmengen 10 000 Jahre und länger sicher verwahren könnte: eine Glasplatte. Seine Arbeit stellt das Forschungsteam im Fachmagazin »Nature« vor.

Daten schreiben die Fachleute mithilfe eines Femtosekundenlasers in die Glasplatte ein. Abhängig von den Daten-Bits, die es zu speichern gilt, variiert der Laserstrahl in einem automatisierten Prozess seine Energie und Polarisierung. Während er sich dabei langsam über die Platte bewegt, verändert der Laserstrahl sehr lokal den Brechungsindex des Borosilikatglases. Dadurch entstehen sogenannte Voxel – winzige, dreidimensionale Pixel im Glas, welche die Daten enthalten. Ein zwei Millimeter dickes Glas versehen die Forschenden auf diese Weise mit 301 übereinanderliegenden Datenschichten. Auf einem zwölf mal zwölf Zentimeter großen Glas speichern sie 4,8 Terabyte an Daten. Das entspricht etwa zwei Millionen gedruckten Büchern oder 5000 ultrahochauflösenden 4K-Filmen.

Die Datendichte liegt damit ungefähr in der Größenordnung von modernsten Festplatten. Zudem ist der Speicher aber ungleich beständiger. Glas hält Hitze, Kälte und Temperaturschwankungen aus, und es ist robust gegenüber Chemikalien und Feuchte. Auch elektromagnetische Störungen machen dem Werkstoff nichts aus. Beschleunigte Alterungstests lassen dem Team zufolge darauf schließen, dass die gespeicherten Daten auch nach mehr als 10 000 Jahren noch aus dem Glas auslesbar sind. Wenn die Menschheit dann noch weiß, wie das geht.

Anmerkung: In einer früheren Version stand, 4,8 Terabyte würden auf einer Fläche von der Größe von zwei Zwei-Euro-Münzen gespeichert, tatsächlich wird die Datenmenge auf einem zwei Millimeter dicken Glas von zwölf mal zwölf Zentimetern Größe gespeichert. Der Text wurde aktualisiert.

  • Quellen
Microsoft Research Project Silica Team, Nature 10.1038/s41586–025–10042-w, 2026

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