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Gesellschaft: UNICEF: Steigende Kinderarmut in reichen Ländern

Nach einer Studie der UNICEF nahm der Anteil der Kinder, die in Armut leben, seit 1990 in 17 von 24 Staaten der OECD zu, wobei der Anstieg in Deutschland mit 2,7 Prozent stärker als in den meisten anderen Industrienationen ausfiel.

Die Untersuchung zeigt, dass in der Bundesrepublik jedes zehnte Kind – etwa 1,5 Millionen – in relativer Armut lebt. Damit liegt Deutschland unter den OECD-Staaten auf dem zwölften Platz – allerdings mit absteigender Tendenz. Von 1989 bis 2001 hat sich die Kinderarmut in Westdeutschland auf knapp zehn Prozent verdoppelt, in Ostdeutschland stieg sie auf 12,6 Prozent.

Negativer Spitzenreiter sind die USA, wo zwanzig Prozent der Kinder und Jugendlichen in Familien leben, die mit weniger als fünfzig Prozent des Durchschnittseinkommens ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen. Vorbildlich sind dagegen Dänemark und Finnland: Dort gilt dies nur für drei Prozent der Heranwachsenden.

Besonders stark zeigt sich dies hierzulande bei Zuwandererfamilien und Alleinerziehenden: Vier von zehn Kindern von Alleinerziehenden sind von Armut betroffen. Bei Zuwanderern kam es in den neunziger Jahren zu einer Verdreifachung der Armutsrate auf nun 15 Prozent.

Die Studie zeigt aber auch, dass nicht allein die Höhe der Sozialausgaben die Armutsquote bestimmt: Zwar liegen Länder wie die USA oder Italien, die nur wenig in Sozialleistungen investieren, am unteren Ende der Skala und die Skandinavier mit hohen Werten an der Spitze. Länder aber wie Norwegen – mit ähnlich hohen Ausgaben wie Deutschland oder Großbritannien – erzielen mitunter wesentlich größere Erfolge. Sie investieren das Geld effektiver in die Armutsbekämpfung, während in der Bundesrepublik Sozialausgaben vorwiegend in die Altersvorsorge oder das Gesundheitssystem fließen.

Kinderarmut manifestiert sich zudem nicht nur im Einkommen und dem Mangel an materiellen Dingen, sondern auch in vielen weiteren Nachteilen. Kinder aus armen Familien haben häufiger gesundheitliche Probleme, die durch falsche Ernährung, Bewegungsmangel oder negative Vorbilder wie rauchende Eltern entstehen. Ihre schulischen Leistungen fallen im Vergleich schlechter aus, sie leiden mehr unter Konzentrationsstörungen und brechen die Schule häufiger ab. Bei Kindern ausländischer Eltern kommen Sprachprobleme hinzu. Folgen sind mangelhafte Ausbildungen, schlechte Berufschancen und häufigere Schwangerschaften von Minderjährigen.
02.03.2005

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 02.03.2005

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