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News: Unmögliche Wahrscheinlichkeiten

Selbst wenn ein Asteroid die Erde nicht trifft, ist er immer noch in der Lage, wie eine Bombe in der Welt der Medien einzuschlagen. Dort richtet er zwar keine verheerenden Zerstörungen an, hinterläßt aber eine Spur der Aufregung und sogar des Ärgers. Nachdem bereits 1998 ein Asteroideneinschlag für das Jahr 2028 vorher- und gleich wieder abgesagt wurde, stiften Astronomen wieder einmal unabsichtlich Angst vor dem Weltuntergang.
1998 hatten Astronomen bekanntgegeben, daß der Asteroid 1997 XF11 eventuell im Oktober 2028 die Erde treffen könnte. Bereits 24 Stunden später zogen sie ihre Vorhersage wieder zurück. Nun stürzte ein weiterer "Untergangs-Asteroid" die Öffentlichkeit in Aufruhr. Verursacher war 1999 AN10, der am 13. Januar 1999 mit der automatischen Suchkamera in Socorro, New Mexico, entdeckt worden war. Andrea Milani und seine Kollegen von der Universität Pisa analysierten die Umlaufbahn des Asteroiden und schlossen, daß dieser im August 2028 die Erde in sehr geringer Entfernung passieren würde. Dadurch wäre eine winzige Wahrscheinlichkeit dafür gegeben, daß die Schwerkraft der Erde die Bahn des Asteroiden so beeinflußt, daß er zwölf Jahre später im Jahre 2039 auf der Erde einschlägt.

Milani entschied sich dagegen, die Presse zu benachrichtigen, präsentierte am 6. April aber einen Vorabdruck seines Artikels über 1999 AN10 auf seiner Web-Site, wo er bald von Benny Peiser gefunden wurde. dem Moderator einer Mailing-Liste zum Thema "Neokatastrophismus". Peiser nahm an, daß Milani und seine Kollegen etwas verbergen wollten. "Statt die interessierte Öffentlichkeit über ihre möglicherweise explosiven Funde zu informieren, verstecken die Autoren ihre Ergebnisse auf einer obskuren Web-Seite", schrieb er in einer Erklärung vom 13. April. Am nächsten Tag schmückte die Geschichte bereits die Schlagzeilen auf den Titelseiten vieler Zeitungen und mehr oder weniger seriöser Internet-Nachrichtendienste.

Die Astronomen reagierten äußerst wütend. Aufgrund der extrem kleinen Wahrscheinlichkeit eines Einschlages (nur eins zu einer Milliarde), besaß die 1999 AN10-Geschichte keinerlei Relevanz für die breite Öffentlichkeit, wie Clark Chapman vom Southwestern Research Institute in Boulder meinte. Tatsächlich ist die Wahrscheinlichkeit, daß die Erde von 1999 AN10 getroffen wird, nicht größer, als ein Treffer durch einen bisher unentdeckten Asteroiden innerhalb der nächsten Stunde. "Milani hat es richtig gemacht", urteilte auch David Morrison vom NASA Ames Research Center.

Donald Yeomans vom Jet Propulsion Laboratory geht von einer großen Wahrscheinlichkeit dafür aus, daß innerhalb der nächsten Monate die kleine Wahrscheinlichkeit für einen Einschlag gegen Null gehen wird. "Weitere Daten werden bald eintreffen, wenn der Asteroid im Juni wieder beobachtbar wird", sagt Yeomans. Nichtsdestotrotz benötigen Astronomen geeignete Maßregeln für den Umgang mit Vorhersagen, Wahrscheinlichkeiten und der Presse, sagt Morrison. Die Wissenschaftler werden das Thema bei einem internationalen Treffen in Turin diskutieren. "Wir befinden uns noch in einem Lernprozeß", sagt Morrison, "Die Gemeinschaft hat diesmal allerdings viel bessere Arbeit geleistet als im Falle von 1997 XF11."

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