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News: Unter der Gürtellinie

Mehr als 40 Prozent der amerikanischen Frauen und 31 Prozent der amerikanischen Männer haben Probleme mit der Sexualität. Sie klagen über mangelndes Interesse am Geschlechtsverkehr, Unfähigkeit zum Orgasmus, Angst, Schmerz, Probleme mit der Erregung und Erektile Dysfunktion. Und auch in Deutschland hat jeder fünfte Mann Potenzstörungen. Dennoch wird das Thema peinlich vermieden und stattdessen Hilfe bei Wunderpillen gesucht.
Diese Ergebnisse aus den USA entstammen einer landesweiten Erhebung mit 1 749 Frauen und 1 410 Männern im Alter zwischen 18 und 59 Jahren. Die Studie stützt sich auf die Daten des National Health and Social Life Survey und wurde am 10. Februar 1999 im Journal of the American Medical Association veröffentlicht (voller Text). Seit dem Kinsey-Report von 1948 ist dies die umfangreichste Untersuchung über Sexualität in Amerika.

"Ich halte die Häufigkeit sexueller Probleme für den eigentlichen Hauptgrund für das enorme Interesse an Viagra", sagt der amerikanische Soziologe Dr. Edward Laumann von der University of Chicago, der die Analyse leitete. So bitter die Ergebnisse auch seien, gäben sie doch Hoffnung für Millionen von Betroffenen, die nun wissen, daß sie mit ihren sexuellen Problemen nicht alleine sind. Unter den befragten amerikanischen Männern gaben fünf Prozent Erektionsstörungen als Ursache an. Man schätzt, daß in Amerika zirka 20 Millionen Männer von Impotenz betroffen sind, behandelt werden derzeit aber nur 10 Prozent.

In Deutschland geht man davon aus, daß circa fünf bis sechs Millionen Männer Erektionsstörungen haben. Die Ergebnisse einer neuen Studie der Universität zu Köln über "Männliche Sexualität und Alter" bestätigen diese Zahlen. In der bislang größten deutschen Untersuchung wurden 8 000 Männer zwischen 30 und 80 Jahren in Köln anonym befragt. Von den Kölner Männern bezeichnete sich jeder fünfte Mann als impotent. Bei den 50- bis 59jährigen gaben bereits 15,4 Prozent an, unter Erektionsstörungen zu leiden, bei den 60- bis 69jährigen steigt die Häufigkeit auf 35 Prozent. Von den 70- bis 80jährigen hat jeder zweite eine Erektile Dysfunktion.

Auch in Deutschland suchen noch nicht alle Betroffenen Hilfe. Viele Männer schämen sich, über ihr Problem zu sprechen. Bleiben die Erektionsstörungen unbehandelt, können sie weitreichende Auswirkungen haben. "Die mangelnde Fähigkeit, eine Erektion zu erreichen, untergräbt die Selbstachtung und das Identitätsgefühl der Männer. Hierunter leidet nicht nur die Partnerschaft, auch das Berufsleben kann beeinträchtigt werden", erläutert Professor Uwe Hartmann von der Medizinischen Hochschule Hannover. Obwohl in über 70 Prozent der Fälle organische Ursachen wie zum Beispiel Diabetes, Bluthochdruck oder Fettstoffwechselstörungen für die Erektile Dysfunktion verantwortlich sind, sprechen die Betroffenen nicht mit ihrem Arzt über diese Aspekte ihrer Erkrankung.

"Männer, die an Erektionsstörungen leiden, sollten sich, wie bei anderen gesundheitlichen Problemen auch, an ihren Arzt wenden", rät der Facharzt Dr. Jürgen Budde aus Marl. Er kann nach mitunter langem Leiden helfen, den manchmal noch vorhandenen "Knoten der Sprachlosigkeit" zu öffnen und die für den jeweiligen Patienten geeignete Therapie zu finden.

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