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Sonnensystem: Unter doppeltem Beschuss

Würde die Erde sich nicht einem ständigen Gesichts-Lifting durch Wind und Wetter unterziehen, sähe ihr Antlitz genau so narbig aus wie die Oberflächen von Mond, Mars und Merkur. Schuld daran sind Asteroide, die während der Frühzeit des Sonnensystems in zwei Wellen auf den Himmelskörpern einschlugen.
Mondkrater
Wenn Bruce Willis in heldenhafter Manier das Spaceshuttle besteigt, um fiese Killerasteroiden zu sprengen, oder echt wirkende Computer-Dinosaurier in BBC-Produktionen erstaunt den Einschlag eines Meteoriten und damit den Anfang von ihrem eigenen Ende erblicken, dann haben sie es nur mit schwachen Abklatschen der Brocken zu tun, die in den jungen Jahren der Erde auf unserem Planeten niedergegangen sind. So richtig heftig ging es hier nämlich vor rund 3,9 Milliarden Jahren zu. Während einer relativ kurzen Phase von 10 bis 100 Millionen Jahre schlugen auf den inneren Planeten und dem Mond Geschosse ein, die bis zum heutigen Tag das Aussehen von Merkur, Mars und Mond bestimmen. Lediglich Venus und Erde haben dank ihrer seimischen Aktivitäten und ihrer erosionsfördernden Atmosphäre die Krater großenteils eingeebnet.

So zumindest sieht die Theorie der pockennarbigen Himmelskörper aus. Sie stützt sich auf die Altersbestimmungen von Mondgesteinen und Marsmeteoriten, die übereinstimmend von einem kurzen, aber heftigen Zeitalter gewaltiger Einschläge künden. Nun glaubt eine Gruppe von Astronomen um Robert Strom vom Lunar and Planetary Laboratory der Universität von Arizona, auch die Herkunft der Geschosse und den Auslöser des Beschusses zu kennen: Asteroide direkt aus dem Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter, die durch Wanderbewegungen der Gasriesen Jupiter und Saturn aus ihren Bahnen geworfen wurden.

Spuren des Bombardements mit Asteroiden | Viele der Krater auf dem Mond gehen vermutlich auf Einschläge von Objekten zurück, die direkt aus dem Asteroidengürtel stammen.
Um zu diesem Schluss zu kommen, werteten die Forscher zunächst vorhandene Daten über Krater auf Mond, Mars und Merkur aus. Dabei stellten sie fest, dass es im Wesentlichen zwei Gruppen gibt, die sich vor allem durch ihre Größe unterschieden. Ein Vergleich mit simulierten Einschlägen zeigte, dass die größeren Krater von Objekten stammen müssen, die etwa den Körpern des heutigen Asteroidengürtels ähneln. An den kleineren Krater sind hingegen eher Geschosse schuld, die im Durchmesser den so genannten erdnahen Asteroiden (near-earth asteroids, NEAs) entsprechen.

Doch warum beschränkte sich der Sturm großer Asteroide auf den vergleichsweise kurzen Zeitraum von weniger als 100 Millionen Jahre? Und wieso verließen die Asteroide überhaupt den Gürtel zwischen Mars und Jupiter? Die Antwort liegt nach Aussage der Wissenschaftler bei den Riesenplaneten Jupiter und Saturn. Diese beiden machten damals, als das Sonnensystem noch jung war, gelegentlich Wanderungen, um eine stabile Umlaufbahn zu finden. Aufgrund ihrer gewaltigen Masse geriet dadurch das gravitatorisch labile Gleichgewicht im Asteroidengürtel durcheinander, und zahllose Gesteinsbrocken rutschten "auf die schiefe Bahn" ab. Bis sie eines Tages mit einem der inneren Planeten oder dem Mond zusammenstießen.

Was später noch vom Himmel fiel, war im Vergleich dazu eher Kleinkram. Und was vor dem großen Asteroidenhagel gewesen ist, lässt sich leider anhand der Krater nicht mehr nachvollziehen. Dafür wurden die Oberflächen durch das Bombardement zu sehr umgepflügt. Wie gut also, dass Jupiter und Saturn ihre Wanderlust offensichtlich schon in jungen Jahren ausgetobt haben. Um den Rest kann Hollywood sich kümmern – da geht schließlich jede Katastrophe am Ende gut aus.

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