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Etrusker

Unterirdische Pyramidenkammern geben Archäologen Rätsel auf

Unterirdische Pyramidenkammern

Die Kultur der Etrusker hat Archäologen ein weiteres Rätsel beschert: Unterhalb der Straßen und Häuser der umbrischen Stadt Orvieto räumten Forscher eine zirka zehn Meter hohe Felskammer mit pyramidenförmiger Decke frei. Dabei entdeckten die Ausgräber auch mehrere Tunnel, die zu einem weiteren Pyramidenraum führten. Über die einstige Funktion des mehr als 2500 Jahre alten Kammersystems sind sich die Wissenschaftler allerdings noch im Unklaren. Vergleichbares ist weder von anderen etruskischen Stätten noch sonst wo aus Italien bekannt.

Ein Blick
Ein Blick … | … durch den Tunnel, der die pyramidenförmigen Räume verbindet. Das Kammersystem war fein säuberlich aus dem Tuffgestein unter der Stadt Orvieto gehauen worden.

Auf die Spur der Räume kamen David B. George vom Saint Anselm College in Manchester (USA) und Claudio Bizzarri vom Parco Archeologico Ambientale dell’Orvietano durch einen Mann aus Orvieto, der besagte Felsenkammer als Weinkeller nutzte. Stufen an einer der Kammerwände hatten die Neugier der Archäologen geweckt. "Ihre Form entsprach deutlich der etruskischen Bauweise", berichtet David George.

Zunächst gruben sich die Forscher durch Schichten des 20. Jahrhunderts, einschließlich zerbrochener Porzellanteller und alter Tennisschuhe. In einem Meter Tiefe entdeckten sie schließlich einen mittelalterlichen Fußboden, doch erst die Funde darunter ließen die Ausgräber jubeln: "Direkt unter dem Boden folgte eine Füllschicht, die zur Überraschung aller attische Keramik aus der Mitte des 5. Jahrhunderts v. Chr. und etruskische Töpferware aus dem 6. und 5. vorchristlichen Jahrhundert enthielt", so George. Die ältesten Gegenstände reichen sogar bis um 1000 v. Chr. zurück. Offenbar war der Pyramidenraum nach 450 v. Chr. nicht mehr betreten worden.

Treppe
Die oberen Stufen … | … dieser Treppe brachten die Archäologen auf die Spur. Über sie konnte das Kammersystem betreten werden.

Während der Freilegung konnten George und sein Team auch den weiteren Verlauf der Treppenstufen aufdecken – sowie einen Tunnel mitsamt einem zweiten pyramidenförmigen Raum. Für welchen Zweck die Anlage aus dem Fels geschlagen wurde, an diesem Punkt tappen die Archäologen aber noch im Dunkeln. "Wir wissen, dass es kein Steinbruch und keine Zisterne sein kann. Die Wände sind sauber behauen, und es gibt keine Belege für einen Lehmverputz." In einer ersten vorsichtigen Vermutung deutet der leitende Archäologe die Räume als Heiligtum. Schriftliche Quellen berichten zudem, dass das Grab des etruskischen Königs von Chiusi und Orvieto, Lars Porsenna (er regierte am Ende des 6. Jahrhunderts), aus mehreren Pyramiden bestanden haben soll. Sein Kollege Claudio Bizzarri ist skeptisch, ob diese Parallele weiterführt – beide Forscher sind sich aber einig, dass weitere Ausgrabungen Antworten liefern werden.

Um 1000 v. Chr. gründeten die Etrusker auf einer hohen Tuffformation die Stadt Orvieto, die in der Antike den Namen Volsinii trug. Diese und die anderen etruskischen Siedlungen erachteten sich jedoch nicht als politische Einheit, sondern waren unabhängige Stadtstaaten, überregional organisiert in einem Zwölfstädtebund. Im Jahr 264 v. Chr. ereilte Volsinii das spätere Schicksal von ganz Etrurien: Sie fielen der unaufhaltsamen Expansion der Römer zum Opfer.

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