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Evolution: Unterordnung fördert das Gedächtnis - bei Meisen

In der Vogelwelt haben meist die Männchen die bessere räumliche Orientierung. Kohlmeisen machen davon eine Ausnahme - und das habe mit der Rangordnung zu tun.
Kohlmeisen am Futterplatz

Kohlmeisen (Parus major) sind kluge Vögel, wenn es um den Zugang zu Futter geht. Sie gehen sogar so weit, dass sie andere Meisenarten ausspähen, um an deren Nahrungsvorräte zu gelangen. Hier allerdings zeigen sich deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede, wie eine Studie von Anders Brodin und Utku Urhan von der Lund Universität in Schweden ermittelte: Weibchen können sich demnach die Verstecke ihrer Verwandten deutlich besser merken als die Männchen. Das zeigt ein Versuch der Biologen, bei dem Kohl- und Sumpfmeisen miteinander in einer Voliere gehalten wurden. Während die Sumpfmeisen (Poecile palustris) Beute in Verstecken horten, praktizieren die Kohlmeisen dies nicht – allerdings plündern sie diese Lager gerne. Während aber nach 24 Stunden die Kohlmeisenweibchen 40 Prozent aller zurückgelegten Futterobjekte entdeckten und fraßen, betrug die Erfolgsquote bei den Männchen nur 15 Prozent. Damit schneiden die Weibchen genauso gut ab wie die Sumpfmeisen selbst

Die beiden Wissenschaftler führen dies auf die ausgeprägte Rangordnung bei den Kohlmeisen zurück: Die Männchen verdrängen die Weibchen sehr oft von Futterstellen, so dass diese auf alternative Quellen ausweichen müssten. "Durch diese Rangordnung ist für die Männchen eine gleichmäßigere und zuverlässigere Futterversorgung sichergestellt, wohingegen die niedriger gestellten Weibchen ihr Futter um die Vorräte anderer Vögel ergänzen müssen", sagt Brodin. "Somit hilft den Weibchen ihr gutes Erinnerungsvermögen für Verstecke wahrscheinlich auf lange Zeit ihren Hunger zu stillen."

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