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News: Uralt und doch modern

Wahrscheinlich wird bald eine wichtige Lücke in der Fossilienreihe der menschlichen Evolution geschlossen. Ein gut erhaltener Schädel aus der frühen Menschheitsgeschichte, der in Eritrea (Nordafrika) gefunden wurde, zeigt eine faszinierende Mischung von Eigenschaften älterer und neuerer Funde.
Ernesto Abbate, Geologe an der Universität von Florenz und seine Mitarbeiter haben den Schädel in einem abgelegenen Landstrich, etwa 400 km nördlich von Awash Valley in Äthiopien, gefunden, einer Gegend, die für ihre menschlichen Fossilien berühmt ist (Nature vom 4. Juni 1998). Der nahezu vollständige Hirnschädel erinnert an den des Homo erectus, einem Vorfahren des modernen Menschen, der vor 1,7 Millionen Jahren in Afrika auftauchte und bis vor nur 300 000 Jahren in Asien zu finden war. Der jetzt gefundene Schädel hat, wie der Paläontologe Lorenzo Rook berichtet, genau wie der Homo erectus unter anderem stark ausgebildete Brauenwulste und einen langgezogenen Hirnschädel.

Um die geologische Schicht des Fundes festzustellen, suchte das Team in den Felsen nach Anzeichen für Richtungswechsel im Magnetfeld der Erde. Außerdem identifizierte es Fossilien von Tieren und Pflanzen, die zu bekannten Zeitpunkten ausstarben. Durch das so ermittelte Alter von 1 Million Jahren ist das Fossil genau zwischen dem jüngsten in Afrika gefundenen Homo erectus (das 1,4 Millionen Jahre alte Fossil stammt aus Olduvai in Tansania) und der ältesten archaischen Form des Homo sapiens einzuordnen (ein 600 000 Jahre altes Exemplar aus Bodo in Äthiopien).

Ein genaueres Studium des Fossils erbrachte dessen neuzeitliche Züge, die mit den alten vermischt waren. Der Schädel ist auffallend eng und erreicht seine größte Breite in der Nähe des Scheitelpunktes, genau wie beim Homo sapiens. Rook zufolge, weist diese Beobachtung darauf hin, daß einige für den Homo sapiens typische Züge sich um 200 000 bis 300 000 Jahre früher als erwartet herausgebildet haben.

Das Fossil könnte Anthropologen helfen, andere Fossilien, die außerhalb Afrikas gefunden wurden und die in die kritische Zeitlücke fallen, einzuordnen. Hierzu gehören zum Beispiel die 800 000 Jahre alten Überreste von Atapuerca (Spanien) und der Homo erectus aus Asien. "In künftigen Szenarios wird der Schädel ganz klar ein wichtiges Kettenglied sein, doch er muß erst gründlich studiert werden", sagt Ian Tattersall, Paläoanthropologe vom American Museum of Natural History in New York. Der Schädel – von dem die Hälfte noch immer im Fels eingeschlossen ist – wurde bisher verschlossen im Eritreischen Nationalmuseum in Asmara aufbewahrt.

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